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  3. » Von Silly

#126 Fun-Ecke » Japan » 07.02.2004 13:49

Silly
Antworten: 12

-->Linktitel: löl (Links sind aus rechtlichen Gründen nicht klickbar)
-->Link: 'http://www.rz.uni-karlsruhe.de/~Daniel.Thome/Private/download/mikado.mpg'

#127 Fun-Ecke » Aua » 07.02.2004 13:47

Silly
Antworten: 8

-->Linktitel: Springt einer fon der klippe (Links sind aus rechtlichen Gründen nicht klickbar)
-->Link: 'http://www.rz.uni-karlsruhe.de/~Daniel.Thome/Private/download/Olympic.mpg'

#128 Fun-Ecke » Taube » 07.02.2004 13:41

Silly
Antworten: 6

-->Linktitel: baseball opfer (Links sind aus rechtlichen Gründen nicht klickbar)
-->Link: 'http://www.rz.uni-karlsruhe.de/~Daniel.Thome/Private/download/taube.mpeg'

#129 Re: Geschichten » Geschichten » 07.02.2004 13:30

antifa,7.02.2004 12:15 schrieb:

das forum ist aber, wie die forumsbeschreibung schon erahnen laesst ("Hier könnt Eure eigenen Geschichten oder andere eigene Texte posten"), nur fuer eigene geschichten gedacht...

/edit: du musst jetzt NICHT tausende sorry threads machen..

tausende :duspinnst:

#131 Re: Geschichten » Geschichten » 07.02.2004 13:26

und was bringt mir das jetzt <_<

#132 Re: Geschichten » Und Noch Ne Geschichte » 07.02.2004 13:09

keine is von mir auser da wo steht lest bitte mal

#133 Geschichten » Geschichten » 07.02.2004 13:06

Silly
Antworten: 15

Diese geschichten hab ich alle net geschrieben ich fand sie nur schön

#135 Geschichten » Erinnerung Eines Toten » 06.02.2004 20:54

Silly
Antworten: 6

Erinnerung eines toten

Part 1

Bestimmt haben sie schon einmal jemanden sagen hören - vermutlich war es ein alter, dickbäuchiger Priester auf einer für sie vollkommen bedeutungslosen Beerdigung -, dass alles was auf dieser Erde wächst und gedeiht - jedes Tier, jede Pflanze und auch jeder Mensch - vergehen muss, um dem Neuen, dem Aufstrebendem zu weichen und dass dies ein unvermeidliches Gesetz der Natur ist, dem jeder unterworfen ist. Doch lassen Sie sich sagen, dass dies nur auf die Welt zutrifft, die Sie kennen und in der Sie zuhause sind. Denn hinter dieser Welt verbergen sich oftmals Dinge, von denen Sie nicht einmal etwas ahnen, oder, die Sie, wenn Sie sie nicht vollkommen verdrängen können, als Märchen und Sagen abtun. Und es gibt Wesen, welche unbeeinflusst sind von solch leeren Begriffen, wie Zeit oder Alter, Wesen, die geschaffen werden und doch nicht vergehen, Wesen die den Menschen ähnlicher scheinen als jedes Tier und die sich doch mehr von ihnen unterscheiden als ein Stein sich von der Sonne, mehr als ein toter, verrotteter Körper sich von einem lebenden Organismus unterscheidet. Wesen wie ich.
Wir leben unter euch, unerkannt und einsam, doch manchmal geschieht es, dass sich die Lebensfäden eines Sterblichen und eines der Unsrigen überkreuzen oder gar verheddern
und...
Doch ich greife der Erzählung vor und das ist nie gut, wenn man eine Geschichte erzählen will. Noch dazu, wenn es eine Geschichte ist, die für sie vermutlich um vieles fantastischer und grotesker klingt, als sie zu glauben bereit sind und die nichts mit Ihrer eigenen kleinen Welt zu tun hat; eine Geschichte, die sie am besten schnell wieder vergessen, ohne sich irgendwelche Gedanken zu machen.
Die Geschichte, die ich ihnen erzählen möchte, beginnt an einem nasskalten Novemberabend, in einer der kleinen verwinkelten Gassen der Stadt Venedig:
Es regnete in Strömen und wie so oft um diese Jahreszeit hatten die Fluten der Lagune den Kampf um die zahllosen kleinen und größeren Plätze der Stadt längst für sich entschieden. Die Gassen waren leer geworden, die wenigen Touristen, die Venedig zu dieser Jahreszeit noch besuchten, harrten, von der Kälte und dem Regen erschreckt, in ihren Hotelzimmern aus, und warteten auf besseres Wetter; das heißt, wenn sie nicht gleich abzureisten, denn besseres Wetter war nicht in Sicht. Nicht, dass das etwas besonderes gewesen wäre.
So viele Touristen Venedig auch besuchten, wenn es schön war, wenn die Sonne über dem Piazza di Marco strahlte und die Lagune in ihrem hellen Schein glitzerte, so schnell waren sie auch schon wieder verschwunden, wenn die dunklen Monate kamen und Venedig in ein düsteres Zwielicht tauchten, in dem die Schatten verschwimmen und das Heben und Sinken des Wassers den Rhythmus des Lebens bestimmt.
Und ich glaube dies, diese Beschränkung auf die schönen Seiten der Stadt, ist der Grund, weshalb die Venezianer die Touristen verachten. Oh sicher, sie freuen sich über sie; dass sie in den Hotels übernachten, die Gaststätten besuchen und allerlei unnötige Andenken in den unzähligen Souvenirshops kaufen. Aber sie betrachten sie mit der gleichen Geringschätzung, mit der wir eine Kuh betrachten, die wir melken und deren Milch wir trinken, oder ein Schwein, dass wir schlachten, um es zu verspeisen. Ja, man könnte sagen, die Stadt ernährt sich von den Touristen, aber sie verachtet sie ... und ich tue es ihr gleich.
An diesem Abend jedenfalls war es nur allzu unwahrscheinlich, dass ich auf meinem Spaziergang sonderlich vielen Menschen begegnen würde, denn das Wasser war mittlerweile so hoch gestiegen, dass meine Füße nass zu werden begannen, trotz der schwarzen Gummistiefel, die meine Knöchel umschlossen.
Ich genoss die Stille, in der sich Venedig zu befinden schien, nur das leise Prasseln des Regens auf den Hausdächern war zu hören, doch seltsam gedämpft; als wäre das Wetter bedacht so wenig Lärm wie möglich zu verursachen, um die Stille des Augenblicks nicht zu stören.
Durch eine laute Stimme wurde ich aus meinen Gedanken gerissen: "Fuck Wetter! Fuck Regen! Fuck Venedig! Natürlich war's deine verfuckte Idee mitten im Winter nach Venedig zu fahren! Fuck!" Ich hob meinen Kopf und sah zwei Punks, die in einem Wartehäuschen der Busboote von Venedig vor dem Regen geflüchtet waren und sich nun gegenseitig, ungeachtet ihrer deutschen Herkunft, mit englischen Ausdrücken attackierten. Ich hatte kürzlich einen Artikel in einer deutschen Zeitschrift gelesen, in dem die Überhandnahme von Anglizismen in der deutschen Sprache beklagt wurde. Nun diese beiden waren das beste Beispiel, dass dieser Artikel doch nicht so aus der Luft gegriffen war, wie ich zuerst vermutete. Verstehen sie mich nicht falsch, ich schätze Punks. Sie sind, trotz ihrer unerträglich ignoranten Art, herzlich erfrischend und ungeachtet ihrer Mir-ist-sowieso-alles-egal-Haltung oft erstaunlich intelligent. Zudem ähnelt ihre Art, Freiheit über alles andere zu stellen, der meinen doch sehr; wenn auch aus vollkommen anderen Gründen und mit einer anderen Perspektive. Tatsächlich sind die Punks meinesgleichen sogar um einiges ähnlicher, als diese verzogenen Gothik-Kids, mit ihren weißgeschminkten Gesichtern, den albernen Gewändern und den Pentagrammen und anderen "Zauberzeichen" als Anhänger, die sich krampfhaft bemühen etwas nachzuahmen, dass sie nicht einmal verstehen.
Ich blieb stehen und musterte die beiden etwas näher. Der eine war ein regelrechter Hüne, gut zwei Meter groß und erstaunlich massig, mit einer zerschlissenen Lederjacke, auf der zahlreiche Aufnäher prangten. Darunter trug er ein schwarzes T-Shirt mit irgendeiner unleserlichen Aufschrift, eine ausrangierte Armeehose und schwarze Springerstiefel mir ebensolchen Schnürsenkeln. Auf dem Kopf hatte er etwas, dass erstaunliche Ähnlichkeiten mit einem plattgefahrenem Kanarienvogel offenbarte, sich bei näherer Betrachtung aber als seine wild durcheinander gefärbten Haare herausstellte, die in unmöglichem Winkel von seinem Kopf abstanden. Sein Gesicht wurde von einer riesenhaften Narbe bestimmt, die sich von seinem linken Mundwinkel bis zu seinem Haaransatz durch das ganze Gesicht zog; offensichtlich ein Andenken an eine der unvermeidlichen Schlägereien, in die diese Unterart des Homo Sapiens immer wieder verwickelt war. Der zweite Punk war ein relativ zierlich gebautes Mädchen, das in einer blauen Jeansjacke steckte, die sie offensichtlich aus einem Container der Kleidersammlung gestohlen hatte. Eine ebensolche Hose und ein paar ausgelatschte weiße Turnschuhe harmonierten vorzüglich mit dem Hundehalsband, dass sie um den Hals trug. Ihr an und für sich recht hübsches Gesicht wurde durch einen durch Nasenring, der eher einem Zuchtbullen als einem Menschen gestanden hätte und einem schulterlangen Schopf rosa gefärbter Haare verunstaltet. Ihre Nasenflügel bebten, als sie ihrem Kompagnon die Antwort entgegenschleuderte: "Ah ja, jetzt ist es also meine Schuld, dass wir hier sind, ohne irgendwelches Geld, du Arschloch? Meine Schuld? Fuck you, wenn du dich in Rom nicht so beschissen aufgeführt hättest, dann hätten wir jetzt noch 200 Mark übrig und könnten uns ein Zimmer mieten! Aber ich bin schuld, ja? Weißt du, verpiss dich einfach und lass mich mit deiner Scheiße in Ruhe!" Sie starrte in das Gesichts des anderen Punks, das vor Wut knallrot zu werden begann. Sein Arm legte sich auf ihre Schulter, aber sie wischte ihn weg und schrie: "Fass mich nich an du verdammtes Arschloch!" Sie drehte sich um, um zu verschwinden, aber der Hüne riss sie zurück und brüllte mit hochrotem Kopf: "Verdammte Schlampe, von dir muss ich mir sowas nich anhören, von dir nich!" Bedrohlich baute er sich vor ihr auf:" Du nimmst das jetzt sofort zurück, od..."
Sie spuckte ihm mitten ins Gesicht. Für einen einzigen atemlosen Augenblick starrte er sie an, sprachlos, fassungslos. Dann verdunkelte blanker Hass sein Gesicht und er schlug mit all seiner Kraft zu. Seine Faust traf ihr Gesicht mit der Wucht eines Schmiedehammers, ihr Kopf flog in den Nacken, wie der einer Stoffpuppe und selbst von meinem entfernten Beobachtungspunkt konnte ich das Blut riechen, dass aus ihrer Nase schoss. Ihr Körper wurde von der Wucht des Schlages nach hinten geschleudert und ihr Kopf krachte gegen den Mülleimer der Boothaltestelle. Der andere Punk sah für einen kurzen Moment ernsthaft erschrocken aus, doch dann nahm der Hass wieder Kontrolle über ihn, er ballte seine Fäuste und wollte sich auf sie stürzen.
Dann war ich bei ihm. Ich ergriff seine Schulter mit einer Hand und riss ihn herum: "Hören sie sofort damit auf! Lassen sie die Frau in Ruhe!" Er erstarrte für einen Moment, überrascht vielleicht von meinem akzentfreien Deutsch, oder schlicht und einfach von der Tatsache, dass irgend jemand es wagte, so mit ihm zu reden, doch seine alten Routinen erlangten wieder Kontrolle über ihn. Sein von Wut gerötetes Gesicht verdunkelte sich noch mehr, so dass es nun fast die Farbe von geronnenem Blut annahm und aus seiner Brust stieg ein Grollen, tief und gewaltsam, wie das eines Tiger oder eines Bären. Er schlug mit all seiner ungebremsten Kraft zu, voller Wut und Hass, entschlossen mich mit einem Schlag zu Boden zu schicken, oder gar noch mehr. Und er war stark, ohne Zweifel, geübt in zahllosen Kämpfen und Schlägereien, doch schlussendlich war er doch nur ein Mensch, schwach, verwundbar und dumm, wie alle Mitglieder dieser Spezies. Ich hatte seinen Arm abgefangen, noch bevor er überhaupt merkte, dass ich mich bewegt hatte und brach ihn mit einer beiläufigen Bewegung. Ich ließ ihm lange genug Zeit, um den Schmerz zu fühlen und er schrie auf, gemartert und fassungslos, als wäre er um etwas betrogen worden, dass er selbst nicht einmal verstand. Ich schlug meinen Ellenbogen unter sein Kinn und hörte das seltsam leise Knacken mit dem sein Genick brach. Hätte ich ihn nicht festgehalten, wäre er einfach in sich zusammengebrochen, wie eine Marionette deren Fäden man durchgeschnitten hatte.
Er hing schlaff und leicht in meinen Armen, als wäre er ein Baby und nicht ein zwei Meter großer und 200 Pfund schwerer Koloss. Mein Blick richtete sich auf das Mädchen, dass immer noch in der Ecke lag; bewusstlos, betäubt von der Härte des Schlages. Ich konnte es riechen, ihr Blut, dass immer noch aus ihrer Nase sickerte, doch da war noch ein stärkerer Geruch, der des anderen, der noch immer in meinen Armen hing. Sein Kinn war aufgeplatzt in eine klaffende Wunde, aus der mehr und mehr Blut rann, das wie ein Rinnsaal seinen Hals herunter lief und von dem schwarzen Leder seiner Jacke aufgesogen wurde, wie von einem Schwamm. Ich schlug meine Zähne in seinen Hals und trank und trank und trank, bis sein Herz aufgehört hatte zu schlagen und kalt war und leer, wie ein frisch ausgehobenes Grab.

Part 2

Als das Mädchen ungefähr 20 Stunden später aufwachte, hatte ich bereits eine kleine Brühe für sie zubereitet, ihren Kopfverband erneuert und die Wunde ausgewaschen und untersucht und ihre wenigen Habseligkeiten durchsucht. Die Wunde an sich war nicht weiter schlimm, es war vielmehr die Wucht des Aufpralles gewesen, die für die Bewusstlosigkeit verantwortlich zeichnete. Ihre Besitztümer waren schnell aufgezählt: In einem alten, zerrissenen Rucksack befanden sich außer einer zweiten Garnitur Kleidung nur ein Beutel mit Toilettenartikeln, ein Klappmesser, ein Schlagring und ein matschiges, stinkendes Etwas in einer McDonalds-Pappschachtel. Es mag ja sein, dass ich durch meinen besonders ausgeprägten Geruchsinn, etwas übersensibel sein mag, aber das Menschen so etwas wirklich essen... Unbegreiflich. Außerdem fand ich in der Seitentasche des Rucksacks noch einen Geldbeutel; beklagenswert leer, das Mädchen hatte in Bezug auf ihre finanzielle Situation wirklich nicht übertrieben. Statt Geldscheinen fanden sich allerdings andere interessante Gegenstände in dem Portemonnaie: 3 Kondome, die laut Aufschrift des Herstellers nach Banane schmecken sollten, ein Blutspendeausweis, sowie eine Telefonkarte; etwas, dass ich seit dem Aufkommen dieser neuartigen Mobiltelefone, bei kaum einem Menschen mehr gefunden habe und, last but not least, ein abgegriffener deutscher Personalausweis. Nach kurzer Lektüre fand ich heraus, dass das Mädchen Julia Spencer hieß, die amerikanische und deutsche Staatsbürgerschaft besaß und am 21. November dieses Jahres ihren 18ten Geburtstag feiern wird. Ich warf einen Blick auf den abgegriffenen Pin-up-Kalender an der Wand meines Zimmers; in genau drei Tagen würde dieses schöne Mädchen volljährig werden. Ihr Passbild zeigte das sympathische, wenn auch etwas bockige Gesicht eines etwa 15jährigen Mädchens, mit natürlichen schwarzen Haaren und ohne diesen hässlichen Nasenring. Ich bezweifle, dass ein Carabinieri ihr glauben würde, dass dies wirklich ihr echter Personalausweis war.
Ein leises Stöhnen brachte meine Aufmerksamkeit zu der Besitzerin des Ausweises zurück, ich eilte an das Bett und sah, dass das Mädchen, Julia, ihre Augen aufgeschlagen hatte, die nun verwirrt an der verwitterten Stuckdecke einen Bezugspunkt suchten. "Wo... bin ich?" fragte sie mit einer, von der langen Ohnmacht strapazierten, krächzenden Stimme. Ich antwortete, wobei ich versuchte so viel Verlässlichkeit und Beruhigung in meine Stimme zu legen, wie möglich: "Ganz ruhig. Seien sie unbesorgt. Es hat einen Kampf gegeben und sie sind dabei am Kopf verletzt worden. Seien sie ganz ruhig, sie sind jetzt in Sicherheit." Sie war angesichts der Tatsache, dass sie in einem Kampf verletzt worden, weniger erschrocken, als ich gefürchtet hatte, allerdings war es vermutlich auch nicht das erste Mal für sie. "Wo ... ist ...Marty?" Ihre Stimme war jetzt so leise, dass selbst ich mir schwer tat, sie zu verstehen. Marty war anscheinend der Name des anderen Punks; seinen Personalausweis hatte ich mir nicht angesehen. "Ich weiß es nicht. Aber seien sie beruhigt, ich bin mir sicher, es geht ihm gut. Versuchen sie jetzt, etwas zu schlafen." Meine Antwort war nicht einmal gelogen, ich wusste wirklich nicht wo Marty jetzt war. Das Wasser in den Kanälen von Venedig fließt ziemlich schnell, besonders, wenn es so viel regnet wie jetzt und ein Körper kann sich nach 20 Stunden sehr weit von dem Ort entfernt haben, an dem er ins Wasser gefallen ist. Und was den zweiten Teil anbelangt; für die meisten Menschen ist der Tod ein weitaus besserer Zustand als es das Leben je war und das Wörtchen "gut" ist ohnehin nur eine Frage der Einstellung. Nichts davon sagte ich jedoch dem Mädchen und erschöpft wie sie war, schlief sie nahezu sofort wieder ein, allerdings nicht ohne den beklagenswerten Zustand der weißen Zimmerdecke einer kritischen Musterung zu unterziehen.
Als sie wenige Stunden später wieder erwachte, ging es ihr schon bedeutend besser. Ich kam gerade wieder von meinem alltäglichen, oder besser allnächtlichen, Spaziergang zurück, sie wachte offenbar gerade wieder auf, als ich die Tür behutsam zuzog, denn ich hörte ein angestrengtes Husten. Ich eilte sofort zu dem Bett, in dem Julia lag, noch sehr blass, ohne Zweifel und doch sah man, dass sie nur noch wenige Tage brauchen würde, um wieder vollkommen gesund zu sein. Die Gehirnerschütterung konnte nicht allzu schlimm gewesen sein. Ich beugte mich über ihren schlanken Körper: "Wie geht es dir denn heute?" Mit einer geradezu rührenden Mischung aus Trotz und Schwäche antwortete sie: "Wer hat... ihnen gesagt, dass... sie mich... duzen ... dürfen?" Man merkte wie sehr das Sprechen sie noch anstrengte, doch sie bemühte sich verständlich und deutlich zu sprechen: "Kann ich ... etwas ... zu Trinken bekommen..., bitte?" Ich öffnete den Schrank, in dem ich "mein" Geschirr aufbewahrte, nahm das am wenigsten verstaubte Glas heraus, wusch es in der Spüle aus und füllte es mit Leitungswasser. Ich setzte ihr das Glas vorsichtig an die Lippen und sie trank, trank mit der Gier einer Verdurstenden, trank mit der gleichen Gier, mit der ich nur einen Tag zuvor das Blut ihres Freundes getrunken hatte.
"Besser?" fragte ich besorgt. Sie nickte erschöpft, als hätte sie durch das Wasser Kraft verloren und nicht hinzugewonnen. "Haben sie Hunger? Soll ich ihnen eine Suppe machen?" Bei der Aussicht auf etwas zu essen lief ein Glitzern durch ihre Augen. "Ja, ...bitte." Ich ging in die Küche und wärmte die Brühe, die ich vor ein paar Stunden für sie gemacht hatte auf meinem alten Gasherd vorsichtig wieder auf und füllte sie dann in einen hochwandigen Suppenteller, den ich meiner Patientin ans Bett brachte. Sie schaute mich verständnislos an, deshalb ermunterte ich sie: "Essen sie ruhig. Ich bin sicher sie wird ihnen schmecken." "Könnte ich vielleicht... einen Löffel bekommen?" Innerlich wurde ich knallrot, auch wenn meine Haut ihre Blässe keineswegs verlor. "Natürlich. Tut mir leid." Ich hastete in die Küche, kramte in Schubladen, die ich seit Jahren nicht mehr geöffnet hatte. Schließlich fand ich einen silbernen Löffel, der so prunkvoll verziert war, dass er einmal am Tisch eines Edelmannes gelegen haben mochte, jedoch war das Silber angelaufen und geschwärzt, so dass die Ornamente kaum zu erkennen waren. Immer noch peinlich berührte kehrte ich zu Julia zurück und brachte ihr den Löffel. Sie aß schweigend, ganz ins Essen vertieft, als wäre es etwas, was ihre ganze Aufmerksamkeit benötigte. Sie bewältigte den ganzen Teller mit Suppe, fragte jedoch nicht, ob sie mehr bekommen könne. Nachdem ich den Teller in die Küche geräumt und abgewaschen hatte, setzte ich mich neben Julia ans Bett. Das Mädchen faszinierte mich immer mehr und trotz des Nasenrings und der unnatürlichen Haare, empfand ich fast so etwas wie ... Anziehung, ja Anziehung zwischen dem Mädchen und mir. Julias Stimme schreckte mich aus meiner Betrachtung: "Wer sind sie und was ... mache ich eigentlich hier?" Ich musterte sie noch einen Moment nachdenklich, dann antwortete ich: "Mein Name ist Engravo, Engravo Castello. Ich fand dich an der an einer Bootshaltestelle liegend. Du warst besinnungslos und blutetest." Ich hob meine Hand und deutete auf ihren Kopfverband. "Da ich nicht wusste, ob du hmm... einen Krankenhausaufenthalt zu finanzieren in der Lage gewesen wärest, brachte ich dich in meine bescheidene Unterkunft. Ich konnte dich ja schlecht einfach so liegen lassen." Ich räusperte mich. "Wie geht es dir?" Sie antwortet, äußerlich ganz ruhig und nur eine Spur zu schnell: "Danke,... gut." Ich konnte ihre Angst förmlich riechen, Angst vor einem seltsamen, bleichen Fremden, der sie entführt hatte und dem sie so schnell wie möglich entkommen wollte. "Du musst keine Angst haben. Du kannst hier jederzeit wieder gehen, ich habe dich wirklich nur aufgenommen, um dich zu pflegen." Ein verblüffter Ausdruck stahl sich auf ihr Gesicht "Lesen sie meine Gedanken?" Nun, in Wirklichkeit kam das der Wahrheit recht nahe, aber das hätte sie wohl nur noch mehr beunruhigt. So antwortete ich mit einem Lächeln: "Sie sind nur allzu deutlich auf deiner Stirn geschrieben. Aber du brauchst wirklich keine Angst zu haben." Sie dachte einen Moment nach, dann richtete sie sich ruckartig auf und sah mir in die Augen: "Warum haben sie mich hierher gebracht?" Ich erwiderte ihren Blick lächelnd: "Nimm einfach an, dass ich ein Mensch bin, der anderen Leuten gerne hilft und der sich nicht von Äußerlichkeiten abschrecken lässt. Auch wenn ich dir sagen muss, dass der Ring, den du da in der Nase trägst, dein wunderschönes Gesicht außerordentlich verschandelt." Julia starrte mich einen Augenblick fassungslos an und öffnete schon den Mund, um erbost aufzufahren, da erkannte sie, dass ich einen Scherz gemacht habe. So kühl, wie es ihr nur irgend möglich war, entgegnete sie: "Ich wüsste nicht, dass ich ihnen erlaubt hätte, mich zu duzen, Herr ... Castello. Ich bin volljährig und ich bezweifele, dass wir in einem Verhältnis stehen, dass sie dazu berechtigt."
"Sie sind zwar nicht volljährig, zumindest noch nicht, aber ich werde ihrem Wunsch folge leisten, ... Frau Spencer." Sie blickte mich erwirrt an: "Woher kennen sie meinen Namen?" Ich zauberte ihren Ausweis aus meiner Tasche, stand auf, überreichte ihn ihr und wandte mich zum Gehen: "Ich muss noch ein paar Besorgungen machen, ich werde in wenigen Minuten zurück sein." Ich verließ meine Wohnung durch die Tür, ohne Abzuschließen und kehrte nach einer halben Stunde, mit einer Plastiktüte wieder zurück. Ich hatte nahezu erwartet, dass ich die Wohnung leer vorfinden würde, aber stattdessen sah ich, wie Julia an meinem Tisch saß, mit dem Rücken zur Tür und angestrengt das Schachbrett betrachtete, auf dem ein schwieriger Vierzüger aufgebaut war. Sie sah sich um, als ich die Tür leise ins Schloss zog, widmete sich aber wieder der Aufgabe, als sie mich erkannte. Ich begann damit, die verschiedenen Lebensmittel in die Küchenschränke einzuräumen. Recht willkürlich, es lohnte sich kaum, zu versuchen sie zu ordnen, da es ohnehin nicht mehr lange dauern würde, bis Julia mich wieder verlassen und meiner selbstgewählten Einsamkeit übergeben würde. Als ich wieder in das Zimmer zurückkam, war Julia aufgestanden und sah mich anklagend an: "Diese Aufgabe hat gar keine Lösung." Ich lächelte und fragte: "Möchtest du spielen?" Sie sah mich prüfend an: "Spielen sie gut? Ich möchte nur ungern meine Zeit, an einen Anfänger verschwenden." Ich setzte mich schweigend auf den einen Stuhl und begann die Figuren aufzubauen. Julia setzte sich und ich fragte sie: "Schwarz oder Weiß?". Sie drehte das Brett so, dass die schwarzen Figuren vor ihr angeordnet waren und behauptete: "Weiß beginnt, Schwarz gewinnt." Schweigend machte ich meinen ersten Zug. Wir spielten drei Partien, von denen ich zwei gewann und die zweite nur verlor, weil ich unvorsichtigerweise auf ein Bauernopfer hereinfiel, dass jeder drittklassige Turnierspieler erkannt hätte. Doch sie spielte gut, sogar erstaunlich gut, angesichts ihrer Jugend. Außerordentlich launisch, als sei sie nicht selbst Herr über ihre Aktionen. Zuweilen tollkühn und wagemutig, mit Fallen und Finten, die schon fast genial anmuteten, dann wieder defensiv und reagierend, fast übervorsichtig. Auch wenn sie schnell zog und einige Figuren leichtsinnig verspielte, übertraf sie doch alle Gegner, mit denen ich in den letzten zehn Jahren gespielt hatte um ein weites. Nach dem letzten Matt funkelte sie mich wütend an:" Was sind sie eigentlich? Großmeister?" Ich lächelte. "Auf wie vielen Turnieren haben sie gespielt, Julia?" Sie sah mich stirnrunzelnd an: "Ein paar, wieso?" "Und was schätzt du, auf wie vielen Turnieren habe ich gespielt?" Immer noch war sie verwirrt. "Keine Ahnung, auf ziemlich vielen." Ich holte tief Luft. "Lass mich dir sagen, dass ich noch nie in meinem Leben an einem Turnier teilgenommen habe. Und lass mich dir sagen, dass ich die letzten zehn Jahre weniger als ein duzend Gegner hatte. Und weißt du warum? Weil das wahre im Schachspiel, das wirklich wichtige, das was wirklich zählt, nicht durchs Spielen kommt. Du darfst nicht spielen, um zu gewinnen. Denn wenn du wirklich am Schach teilnimmst, dann spielst du nicht. Dann wirst du eins mit deinen Figuren. Dann bist du das Schachspiel und alles andere unwichtig. Wie viele Gegner hast du schon besiegt, nur, weil diese sich überlegen fühlten, weil sie dachten, dass ein junges Mädchen mit rosa Haaren nicht Schach spielen kann? Für mich gibt es dieses Mädchen gar nicht mehr, wenn ich spiele. Ich bin die Figuren und durch diese Figuren ziehe ich, denke ich, handle ich. Das ist Schach, das wirkliche Schach und alles andere ist nicht mehr als schwarze oder weiße Figuren durch die Gegend zu schieben. Das wahre Schachspiel ist in dir." Ich beugte mich vor und nahm die polierten marmornen Figuren auf, langsam und einzeln, wie ein geheimnisvolles Ritual und legte sie sanft in die samtumhüllte Schachtel. Julia sah mich immer noch an, sie dachte über das nach, was ich gerade gesagt hatte.
Ich sah auf die Uhr, noch eine halbe Stunde bis Sonnenaufgang. Ich erhob mich und begann die Rolläden herunter zu lassen, sorgsam und langsam,. Ich überzeugte mich noch einmal, dass nicht der kleinste Lichtstrahl durch die Fenster brechen könnte, dann trat ich zurück in das, was ich etwas anmaßend mein Wohnzimmer nenne. Julia sah mich mit einem fragenden Blick an: "Weshalb schließen sie die Rollläden am Morgen und nicht abends, wie jeder normale Mensch?" Ich lächelte über die Formulierung "normaler Mensch", dann wurde ich wieder ernst. Ich deutete auf mein Gesicht. "Sonnenallergie. Selbst eine geringe Menge an Sonnenlicht bereitet mir starke Schmerzen und lässt meine Haut aufplatzen. Deshalb gehe ich der Sonne so gut es geht aus dem Weg und verlasse mein Haus nur noch nachts. Das Licht der Sterne und des Mondes machen mir nichts aus." Sie sah ziemlich erschrocken aus. Es ist verblüffend, wie viel die Menschen einem glauben, wenn man nur das Wort Allergie in den Mund nimmt. Heutzutage sind die Allergien unter den Menschen so häufig geworden, dass sie fast gegen alles allergisch sind und so zeigen die Menschen eher Mitleid als Verwunderung, wenn ich erzähle, weshalb ich nicht bei Tage nach draußen kann. Allerdings bin ich selten genötigt, mich mit Menschen darüber zu unterhalten, denn mein menschlicher Bekanntenkreis ist nicht das, was man besonders ausgeprägt nennen würde. Auch Julia zeigte dieses Mitleid, dass ich vermutlich entsetzlich finden würde, wenn ich wirklich unter eine Sonnenallergie zu leiden hätte; so erschien es mir nur als amüsant und eine weitere unter den vielen Schwächen, die die Menschen besitzen. "Aber das ist ja schrecklich. Dann können sie also nie das Tageslicht sehen, nie einen Sonnenaufgang beobachten? Das ist ja ..." Sie schlug die Hand vors Gesicht. "Tut mir leid. Ich wollte sie damit nicht verletzen." Wie sehr die Reaktionen der Menschen sich doch gleichen... "Schon gut. Ich habe gelernt damit umzugehen." Natürlich war sie nicht überzeugt und sah mich weiterhin an, sagte aber nichts weiter.
Einige Minuten vergingen, ohne dass einer von uns etwas sagte, da stand Julia plötzlich auf. "Ich muss jetzt gehen." Sie wartete einen Augenblick, darauf, dass ich etwas sagen würde, vielleicht um sie zurückzuhalten. Dann fuhr sie hastig fort: "Ich wollte mich nur noch mal bedanken, dass sie mich aufgenommen und versorgt haben." Es war verwunderlich, dies aus dem Munde eines Punks zu hören, auch wenn es vermutlich für sie nicht mehr als eine Floskel war. Trotzdem fuhr sie fort: "Ich komme auf jeden Fall heute Abend wieder vorbei. Also tschüs dann." Rückwärts ging sie auf die Tür zu, als hätte sie immer noch Angst, dass ich versuchen würde, sie zurück zu halten. Langsam öffnete sie die Tür und verschwand in den Gassen von Venedig, die noch immer im Dunkel lagen und nass waren, vom Regen.

Part 3

Verstehen sie mich bitte nicht falsch, ich gab mich keinerlei Illusionen hin, dass das Mädchen wirklich am Abend vorbei kommen würde. Welchen Grund hatte sie auch, wir waren nun wirklich aus verschiedenen Welten und als Punk wusste sie sich sehr gut allein zurecht zu finden, selbst, wenn sie ihren Freund auf so tragische Weise verloren hatte und ohne finanzielle Mittel da stand. Und doch... Obwohl ich das alles wusste, warf ich die paar Lebensmittel, die ich halb zur Tarnung, halb aus Hoffnung, das Mädchen würde länger bleiben, gekauft hatte, nicht in den Mülleimer. Und als ich nach wenigen Stunden Schlaf um fünf Uhr nachmittags wieder aufwachte, da merkte ich, dass ich geträumt hatte und zwar von Julia, wie sie einsam und allein an einer Bootshaltestelle hockte und ihren Geburtstag auf die schlimmste aller Möglichen Arten feierte, die nur möglich schienen. Doch allein die Tatsache, dass ich geträumt hatte verunsicherte mich mehr, als alles, was in dem Traum abgelaufen war. Denn mein letzter Traum war ungefähr 12 Jahre her, kurz bevor ich nach Venedig gekommen war. Damals war es einer jener wirren Albträume gewesen, die auch bei Menschen so oft vorkommen und die bei unsereinen auftreten, wenn wir entkräftet und aufgezehrt sind und das war ich, oh ja das war ich.
Doch dieser Traum war anders gewesen, ganz anders. Ich ertappte mich, wie ich beim Anziehen sorgfältig darauf achtete, welche Hose und welches Hemd, welche Krawatte ich auswählte, etwas, an dass ich sonst nicht einmal im Traum gedacht hätte. Auch, als ich die neueste Schachaufgabe aus der Zeitung auf meinem Brett aufbaute, bemerkte ich, dass ich nicht richtig bei der Sache war. Schon der kleine Zweizüger, der normalerweise gerade dazu angetan wäre, mich warm zu machen, erwies sich als unlösbar und ich ertappte mich immer wieder, wie ich hoffnungsvoll zur Tür sah. Schließlich, sah ich ein, dass es keinen Sinn hatte. Ich streifte mir meinen Mantel über, denn die Sonne war gerade unter gegangen und machte mich, um etliches früher als sonst, auf meinen Spaziergang. Doch selbst das brachte mir nicht die gewohnte Ruhe und Ausgeglichenheit, ich hastete durch die engen Gassen Venedigs, nur um meine übliche Strecke hinter mich zu bringen, angstvoll, Julia könnte gerade in diesem Augenblick an meiner Tür stehen. Als ich zurückkehrt, war gerade eine halbe Stunde seit Dämmerung vergangen und die ganze Nacht lag noch vor mir. Gerade als ich um die Ecke der Seitenstraße meiner Wohnung bog, schien es mir, als wäre am anderen Ende der Gasse gerade ein Aufblitzen von pink gefärbten Haaren zu sehen gewesen. Ich schallt mich selbst einen paranoiden Narren, was mich allerdings nicht daran hinderte, ebenfalls ans andere Ende der Gasse zu hasten; vergeblich natürlich, von Julia war nichts zu sehen. Schweren Herzen kehrte ich zu meiner Wohnung zurück, die mir, so ausreichend sie in den letzten 12 Jahren gewesen war, langweilig und unzulänglich vorkam. Ich setzte mich auf mein Bett und starrte die Wand an, als plötzlich der Ton meiner Wohnungsglocke mich aus meinen Gedanken riss. Schon wollte ich aufspringen und zur Tür hasten, da fing ich mich selbst wieder. Gemessenen Schrittes ging ich die wenigen Meter, die mich von der Eingangstür meiner Wohnung trennten. Ich lugte durch den Spion meiner Tür, doch seltsamerweise war nichts zu sehen. Ich legte die Sicherheitskette vor und öffnete die Tür einen Spaltbreit, doch draußen schien sich kein Mensch zu befinden. Und doch... Ich konnte die Nähe von menschlichem Blut riechen und ganz leise vernahm ich die angestrengten Atemzüge eines Menschen, der versuchte, keinen Laut von sich zu geben. Langsam und vorsichtig schob ich die Sicherheitskette zurück und öffnete die Tür, bedächtig, Stück für Stück. Noch immer konnte ich nichts erkennen, doch der Geruch wurde immer stärker. Ich tastete mich langsam vor, und warf einen prüfenden Blick auf die Gasse rechts und links meiner Wohnung.
"Juuuhhhuuuuu!" ertönte es von hinter mir. Ich sprang eine Schritt nach vorne und schnellte herum. Da erblickte ich Julia, auf dem kleinen Vorsprung über meiner Tür kauernd und merklich erfreut über den Schrecken, den sie mir eingejagt hatte. Lauthals lachend sprang sie von ihrem Versteck herunter und fing den Sprung ab, elegant wie eine Katze. "Ich hatte ihnen doch gesagt, dass ich heute Abend noch vorbeikommen würde. Warum sind sie so überrascht?" Wieder lachte sie, hell, voller purer Lebensfreude. "Los ziehen sie sich ihren Mantel an. Unternehmen wir etwas!" Ich ging zurück in meine Wohnung, schlüpfte in meinen Mantel, wickelte mir meinen Schal um den Hals und trat wieder zurück auf die Straße. Julia lehnte an der Mauer und rauchte. Als sie mich erblickte, warf sie ihre Zigarette in den Kanal. "Also los. Auf geht's!" Wir gingen zusammen los, sie immer ein paar Schritte vor mir, wie ein neugieriger, junger Hund, immer witternd, wohin der Weg führen sollte. Schließlich kamen wir in eins der heruntergekommenen Viertel Venedigs, nahe der Stadtgrenzen, in dem die wunderschönen alten Bauten verschmiert waren mit Graffitis und nach Verwesung und Moder rochen, wie ein Leichnam an einem heißen Sommertag. Als sie ein blinkendes Neonschild, mit der vielversprechenden Aufschrift "Luna Piena" in einem verlassenen Hinterhof entdeckte, ging sie zielstrebig darauf zu. Ich ergriff sie an der Schulter. "Du bist wirklich sicher, dass wir da reinwollen?" Julia zuckte nur mit den Schultern und öffnete die Tür.
Eine Rauchwolke schlug uns entgegen und nahm uns den Atem und die Sicht, als wir die Spelunke betraten. Ein gutes Duzend unrasierter, verdreckter Männer saß an etwa 10 nicht viel saubereren Tischen, während ein leiernder Kassettenrecorder ohrenbetäubenden Hardrock spielte und im Hintergrund die Billardkugeln zusammenprallten. Früher hatte ich diese Art von Kneipen öfters besucht, um mir Opfer zu suchen, aber nach kurzer Zeit hatte ich von dem, mit Wein und Schnaps verunreinigten Blut der Kneipenbesucher die Nase voll. Das letzte Mal, dass ich in so einem Lokal gewesen war, mochte 20 Jahre her sein, vielleicht auch dreißig. Doch Julia schien in ihrem Element zu sein. Sie räumte kurzerhand einen Tisch frei, an dem zwei Betrunkene ihren Rausch ausschliefen, was für sie am Boden doch weitaus bequemer war. Dem einen, der trotzdem noch versuchte aufzustehen, setzte ich mit einem diskreten Tritt gegen den Solarplexus entgültig außer Gefecht. Als ich mich weitestgehend akklimatisiert hatte, kam auch schon eine Bedienung angeschlurft. Julia bestellte einen Whiskey on the Rocks, ich nahm aus verständlichen Gründen einen Bloody Mary. Während wir auf unsere Getränke warteten, hatte Julia am Nebentisch schon ein Gruppe Pokerspieler entdeckt und stand auf, um sich an dem Spiel zu beteiligen. Ich blieb an meinem Tisch sitzen und beobachtete sie schweigend. Julia schien mich weniger als Begleitung, sondern viel mehr als Publikum aufzufassen, die Blicke, die sie mir zuwarf waren beifallsheischend. Die Getränke, die ich sofort bezahlte, kamen und ich probierte einen Schluck meines Bloody Mary, nur um ihn daraufhin für den Rest des Abends vor mir stehen zu lassen. Ich kann nicht sagen, ob Julia betrog oder nicht, auf jeden Fall gewann sie ununterbrochen. Und ich glaube nicht, dass mir je etwas so viel Freude bereitet hatte, als Julia zuzusehen, wie sie spielte. Grimassenschneidend, mit ärgerlichen Flüchen wenn etwas schief ging, dann wieder lauthals lachen, wenn sie mit zwei Buben eine Straße geblufft hatte. Ich weiß nicht, woher sie ihr Startkapital hatte und es interessierte mich auch nicht. Sie bestellte sich einen Whiskey nach dem anderen, ohne, dass sie erkennbar betrunken wurde, nur ihr Lachen wurde lauter, ihre Grimassen grotesker und ihr Spiel tollkühner. Nach einiger Zeit - ich könnte heute nicht sagen, wie lange- schien sie ihr Interesse an dem Spiel zu verlieren. Sie griff sich die Geldscheine, die vor ihr lagen, stopfte sie in ihre Tasche und bedeutete mir mit dem Kopf, dass sie gehen wollte. Ich stand auf und wendete mich schon nach draußen, als ich aus dem Augenwinkel sah, wie einer der Spieler aufstand, Julia am Ärmel griff und sie mit italienischen Schimpfworten überhäufte, die Julia zum Glück nicht verstand. Als sie sich losriss baute sich der Schläger drohend vor ihr auf. Doch da war ich schon bei den beiden angelangt. Ich riss den Rowdy herum und versetzte ihm einen Kinnhaken, der ihn gegen den Tisch der Pokerspieler schleuderte und diesen umwarf; dann griff ich Julia am Ärmel und rannte mit ihr zum Ausgang, verfolgt von den Flüchen und Todesdrohungen der Spieler.
Wir rannten noch einige Ecken weiter, bis ich sicher war, dass wir nicht verfolgt wurden. Dann packte ich Julia, die immer noch außer Atem war, von dem kurzen lauf. "Verdammt, was hast du dir dabei gedacht?" herrschte ich sie an. "Das hätte böse ausgehen könne, wenn ich nicht gekommen wäre." Julia rang immer noch um Luft, als sie endlich wieder sprechen konnte. "Was ... sind sie eigentlich? Straßenkämpfer?" Plötzlich kicherte sie los. "Nein, sagen sie nichts!" Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und begann mit tiefer Stimme zu sprechen, eine treffende Imitation meiner selbst. "Das wahre beim Kämpfen, das wirklich wichtige, das was wirklich zählt, kommt nicht durch Üben. Das wahre Kämpfen ist in dir." Sie schüttelte sich vor Lachen.
Und seltsam, so ernst es mir mit meinem Zorn gewesen war, so schnell war er auch verraucht, weggeblasen, von dieser Parodie meiner eigenen Worte. Ich schmunzelte und begann schließlich zu Lachen, angesteckt von Julias unbedarfter Fröhlichkeit. Noch immer lachend, fragte sie: "Was machen wir jetzt?". Ich überlegte kurz, dann fragte ich sie: "Bist du hungrig?" "Das kannste laut sagen!" "Na gut, dann mal los." Zwar waren wir ein ziemliches Stück von dem Ort entfernt, doch weder mir noch ihr schien das etwas aus zu machen. Wir unterhielten uns über dies und das, die etwas intimere Variante von Smalltalk sozusagen, ohne dass irgendetwas wichtiges angesprochen wurde. Als wir den Ort erreichten, den ich angesteuert hatte, blieb Julia wie angewurzelt stehen. Sie ließ ihren Blick über die Marmorfassade des Restaurant schweifen, hin zu den dschungelartigen Blumendekors, dem in rot und gold gekleideten Portier, der Tür aus poliertem Ebenholz und dem goldenen Kasten mit der Speisekarte.
"Da bringen mich keine zehn Pferde rein." murmelte sie langsam, aus tiefster Überzeugung. Jetzt war es an mir, schadenfroh zu grinsen. "Du hast mich in diese Spelunke geschleppt, jetzt kommst du mit hier rein." Ich fasste sie am Arm und zog sie auf die Eingangstür zu. Julia war immer noch zu perplex, um sich zu wehren. Der Portier stellte sich mir in den Weg und faselte etwas von "So dürfen sie hier aber nicht rein" und "das geht aber nicht" aber er beruhigte sich wieder, als ich ihm versichert hatte, dass das schon in Ordnung ginge; unterstützt von einem 100.000 Lire Schein, den ich ihm in die Jackentasche steckte.
Als wir den großen, festlich gerichteten Saal betraten, verstummten mit einem Schlag alle Gespräche und etwa 20 Augenpaare richteten sich auf uns. Julia sah aus, als würde sie am liebsten vor Scham im Boden versinken, während ich heiter vor mich hinlächelnd neben ihr stand. Wenn man tot ist, braucht man sich nicht mehr sonderlich um gesellschaftliche Etikette zu kümmern. Ein Kellner befreite Julia schließlich aus ihrer misslichen Lage. Er war unverkennbar ein Engländer, steif, bis in die Haarspitzen und mit einem leichten, aber doch unverkennbaren Akzent. Das nun einsetzende Gemurmel der übrigen Gäste schien ihn nicht weiter zu stören; wenn der Türsteher uns hinein gelassen hatte, dann waren wir Gäste und Gäste hatten ein Anrecht darauf angemessen bedient zu werden. "Zwei Personen, Signore?" Und als ich dies mit einem Nicken beantwortete: "Den Tisch dort hinten in der Ecke, oder direkt hier am Eingang." Ich entschied mich für den am Eingang, nicht etwa aus Gehässigkeit, sondern einfach, weil der Blick aus dem Fenster hier schöner war. Wir setzten uns. Julia zischte mir zu: "Das wirst du mir büßen.", eine Drohung, der ich verhältnismäßig gelassen entgegen sah. Nach wenigen Sekunden erschien ein Kellner, der die Karte brachte und die Getränkebestellungen entgegennahm. Wir führten eine kleine, aber angeregte Diskussion über die zu empfehlenden Weine, dann entschied ich mich für einen Boreaux des letzten Jahres , während Julia nur hilflos nickte, was der Kellner als Zustimmung interpretierte. Wir warteten, schweigend, während rings um uns die Gespräche langsam wieder zu plätschern begannen. Julia versuchte sich so unauffällig wie möglich zu verhalten; ein vergebenes Unterfangen, denn immer wieder erhaschte ich neugierige Blicke, die von den anderen Tischen herüberflogen. Der Kellner kam, um die Bestellungen aufzunehmen und ich sah, wie Julia versuchte, mich mit mörderischen Blicken aufzuspießen. Doch ich ließ mich davon nicht weiter irritieren, fragte den Kellner, was er den heute besonders empfehlen könne. Er schlug ein ausgewogenes Drei-Gänge-Menu vor und ich sah keinen Grund, ihm nicht zuzustimmen. Er entfernte sich gemessenen Schrittes, nur um kurz darauf wieder mit dem Besteck aufzutauchen. Julias Augen wurden groß, bei dem Anblick der drei verschiedenen Messer und Gabeln. Als er sich wieder entfernt hatte, fragte mich Julia mit gedämpfter Stimme: "Warum tust du mir das an?" Ich lächelte. "Revanche. Du zeigst mir deine Welt. Ich zeige dir meine Welt." Sie stutzte. "Aber..., das hier ist doch nicht ihre Welt. Ich meine, schauen sie sich doch einmal ihre Wohnung genauer an." "Oh, ich bin in vielen Welten zuhause. Etwas, was du dir auch angewöhnen solltest." Sie schwieg, überlegend. Sonderbarer Weise war sie weder verärgert über die Tatsache, dass ich sie schon wieder duzte, noch darüber, dass ich ihr seltsame Ratschläge erteilte.
Der Wein kam, ich probierte, befand ihn für gut und ließ den Kellner einschenken. Ich erhob mein Glas. "Auf diesen Abend." Sie zögerte, nahm dann aber auch ihr Glas und stieß es mit einem sanften Klingen gegen meines. "Auf diesen Abend." Es vergingen einige Augenblicke, dann fragte sie: "Wie wollen sie dieses Essen eigentlich bezahlen?" Wieder lächelte ich. "Du hast eine ganze Menge Geld gewonnen, beim Pokern." Sie sah mich entgeistert an. "Aber..., das ist mein Geld." "Nicht mehr.", antwortete ich und zog ihr Portemonnaie aus meiner Jackentasche. "Oder hast du es etwa noch?" Wieder starrte sie mich an. "Was sind sie eigentlich? Ein..."
"...Dieb? Ja, ich denke so könnte man es nennen." Wieder versank Julia in Schweigen, tief in Gedanken. Als sie ihre Stimme wieder erhob, war sie voller Ernst, ihre Fröhlichkeit wie weggewischt. "Erfüllst du mir einen Wunsch, Engravo? " Sie sah mir tief in die Augen und ich entdeckte, dass ebendiese Augen, die ich für blau gehalten hatte in Wirklichkeit grau waren, wie das Wasser an einem verhangenen Novembertag. "Jeden den du willst." Sie atmete tief ein. "Zeigst du mir deine wahre Welt? Dein wahres Ich?" Und ich weiß bis jetzt nicht, ob Julia es zu diesem Zeitpunkt schon ahnte, oder ob sie nur unter meine vielen Verkleidungen sehen wollte, ich weiß es wirklich nicht. Einige Momente schwieg ich, hielt ihre Augen gefangen und gelähmt, dann: "Bist du sicher, dass du das wirklich willst?" Sie erwiderte meinen Blick, fest und stark. "Ja, das will ich." "So sei es." Ich winkte dem Ober, es war der Engländer. "Wir würden gerne bezahlen." Ohne mit der Wimper zu zucken, oder darauf hinzuweisen, dass wir noch nicht gespeist hatten antwortete er: "Wie sie wünschen, Signore. Ich komme sofort." Nach wenigen Augenblicken erschien er wieder und übergab mir die Rechnung. Ich zog meinen Geldbeutel und überreichte ihm einen 100.000 Lire Schein. Dann stand ich auf, nahm Julia an die Hand und wir verließen das Restaurant. Sie wollte etwas sagen, aber ich schnitt ihr mit einer raschen Handbewegung das Wort ab. Ich winkte ein Bootstaxi an einem der Kanäle herbei und wir stiegen hinein. Ich fragte den Fahrer: "Kennen sie das alte Werftgelände am Ostrand von Venedig?" Er nickte. "Bringen sie uns auf dem schnellsten Wege dorthin." Er zuckte die Achseln und fuhr los, durch die kaum beleuchteten Kanäle des nächtlichen Venedigs. Die ganze Fahrt über sprach keiner von uns dreien ein Wort; nur das Rauschen des Wasser und das Tuckern des altersschwachen Dieselmotors war zu hören. Als wir ankamen, zeigte der Fahrer auf seinem Taxameter und ich gab ihm die angegebene Summe.
Julia und ich stiegen aus. Das Werftgelände lag im Dunkeln, nur das Licht der Sterne und des Mondes erhellte die verrosteten Aufbauten. Ich erinnerte mich nur gut genug, an welcher Stätte es gewesen war und ich führte Julia zu dieser Stelle und all die Erinnerungen an diesen kalten und windigen Tag vor genau 200 Jahren strömten auf mich ein, als wäre ein Deich gebrochen und als würde ich nun überflutet von dem, was an jenem Tage geschehen war. Als wir die Stelle erreicht hatten nahm ich Julia in meinen Arm, fest, beschützend. Und leise, ganz leise, begann ich die Worte zu rezitieren, die ich das letzte Mal vor 200 Jahren gehört hatte, aus dem Mund dessen, der mich zu dem gemacht hatte, was ich heute bin:

"It feels as if the winds stands still and careful hold their breath.
As if the world obeys your will and all the birds sing death.
A single, unexampled tone swings through the misty air
a wolf appears, far, far from home, with black and silver hair.
His claws are broken, splittered, crushed, his face is full of scars.
but as he sings his bitter song, his eyes are bright like stars."

Als ich geendet hatte, war mir, als ob die ganze Welt ihren Atem anhielte, als ob die Zeilen des Gedichtes Wirklichkeit geworden wären, und ich fragte mich, ob mein Mörder diese Ruhe auch gespürt hatte. Ich richtete meine Augen auf Julias Gesicht und ich sah eine einzelne Träne ihre Wange herablaufen, wie eine kostbare Perle. Und als ich meine Zähne in Julias Hals grub und ihr Blut meine Kehle herab rann, da war mir, als hörte ich einen leisen, friedlichen Ton, der auf und nieder schwang, der näher kam, sich entfernte und doch nie ganz verschwand, wie ein ruheloser, unsichtbarer Geist.

#137 Geschichten » Und Noch Ne Geschichte » 06.02.2004 20:38

Silly
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Die perfekte liebe

Es war wie immer um diese Zeit erste große Pause und Steffi und ich waren auf dem Weg zu Dreyer. Ich wusste genau was gleich kommen würde. Die Jungs aus der 10a, in der Hendrik war, würden sich gleich alle umdrehen, grinsen und auf mich zeigen. Ich hasste so was wie die Pest, aber dieses Mal nahm ich mir vor gar nicht erst darauf zu achten und ich schaffte es bis zu dem Moment, wo Steffi mich anschubste und sagte:
"Du, die grinsen gar nicht mehr so dämlich!"
"Und was machen sie dann?", fragte ich misstrauisch und guckte immer noch nicht hin.
"Guck doch selbst mal hin! Sie sind als wären sie nicht sie selbst!"
Ich tat es und was ich da sah war irgendwie komisch. Sie schauten mich an und Memke sagte etwas. Ich hätte zu gerne gewusst was, aber ich war ja nun mal viel zu weit weg. Schade!
Wir gingen in den kleinen Tante-Emma-Laden um uns eine BRAVO zu kaufen, aber was kam da auf uns zu? Es war die ganze Clique. Ich stieß Steffi mit meinem Ellenbogen an und zeigte mit Herzrasen auf die heranmarschierende Gruppe, aber diese meinte locker:
"Die wollen sich bestimmt nur was kaufen oder ist das etwa verboten?"
Ich sagte gar nichts mehr und las in meiner Zeitschrift weiter. Weil ich aber ein ziemlich komisches Gefühl bei der ganzen Sache hatte, schleifte ich Steffi nach draußen, aber anstatt mich zu verstehen meinte sie bloß wütend:
"Was sollte denn das? Glaubst du etwa die wollen dir irgendwas tun?"
"Nein, aber..." weiter kam ich nicht denn sie unterbrach mich einfach und erfasste wieder das Wort.
"Du weißt doch genau das ich ihn mal ein bisschen beobachten will"
"Ja schon, aber..."
"Was aber? Nur weil du irgendwelche Komplexe hast, kannst du mir doch nicht einfach..."
Ich sah sie verzweifelt an und zeigte auf Hans und seine Kumpels die uns schon anstarten als hätten wir grüne Eiterpickel im Gesicht. Sie packte mich am Arm und zog mich um die Ecke wo wir in Ruhe weiter reden konnten. Sie machte mich noch ziemlich blöde an und als ich ihr das ganze erklären wollte, meinte sie auch bloß >Du spinnst!<.
"Kannst du mir noch mal verzeihen?", fragte ich bettelnd.
"Aber natürlich!", sagte sie und nahm mich in den Arm. Ich zappelte, denn ich bekam kaum noch Luft! Wir gingen in die Schule und sie meinte ich solle ihr noch einmal alles von vorne erzählen was ich auch tat und dieses mal verstand sie es und fand es selber ziemlich merkwürdig! "...was sollte denn das nur bedeuten?", fragte ich verzweifelt und wartete auf eine Antwort.
"Na ja,..." fing sie an
"...ich will ja jetzt nicht albern sein, aber ich habe eben bei Dreyer mal so in dein Horoskop geschaut und da stand, dass sich heute etwas unerwartetes ereignen würde!"
"Du glaubst doch nicht wirklich an diesen Mist?", fragte ich fordernd
"Also, sagen wir mal so, irgendwie würde es ja stimmen oder meinst du nicht?"
Ich überlegte eine Weile und gab ihr schließlich Recht. Die ganze Geschichtsstunde über hatte ich nicht aufgepasst, sondern hatte immer wieder darüber nachgedacht, was das wohl zu bedeuten hatte, bis Steffi plötzlich grinsend meinte:
"Ich hab's!"
"Was hast du?"
"Na, ist das nicht irgendwie logisch?"
"Was denn?"
"Na denk doch mal nach!"
"Ich will jetzt aber nicht nachdenken!"
"Also gut, Hendrik fährt voll auf dich ab!"
"Jetzt spinnst du aber ein bisschen! Wieso sollte er nachdem, er schon zweimal >Nein< gesagt hatte plötzlich was von mir wollen?"
Das leuchtete ihr ein und nach einer kleinen Pause kam sie dann zu dem Entschluss:
"Er weiß halt nicht wer du bist!"
"Natürlich weiß er das" , fauchte ich zurück,
"ich habe ihm doch den Brief gegeben!"
"Oh,...stimmt ja, das hatte ich schon wieder ganz vergessen!"
Nun war sie die ganze restliche Stunde still und ich überlegte weiter!

Als ich in der kleinen Pause mit Jule durch die Flure schlenderte, erzählte ich ihr alles und sie wusste auch nichts zu dem Thema zu sagen, allerdings machte sie sich auch keine weiteren Gedanken darüber, denn sie hatte Daddel schon längst aus ihrem Gedächtnis gestrichen, was ich teilweise schon verstand, aber irgendwie auch wieder nicht! Wir erzählten noch ein bisschen und als wir auf dem Weg zu unserer Klasse waren, stand plötzlich aufgebaut wie eine Mauer, Hendrik und seine Kumpels vor uns. Jule meinte bloß noch leise:
"Jetzt weiß ich was du gemeint hast!"
Keiner sagte etwas, bis wir uns versuchten an ihnen vorbeizudrängen:
"Halt! Wohin des Weges?", fragte Memke uns.
Wir versuchten cool zu wirken, aber es schien nicht zu helfen, denn weder ein cooler Spruch noch sonst irgendwas schien sie abzuwimmeln. Sie blieben aufgebaut vor uns stehen und starten uns mit strengem Blicken an. Wir wussten nicht so recht was wir hätten tun sollen, außer einfach stehen zu bleiben und zu warten was geschah, denn was wir sagen sollten wussten wir auch nicht. Also warteten wir noch ein wenig, aber als Jule einen dämlichen Spruch loslassen wollte, ergriff sich Memke das Wort:
"Ich glaube wir müssen da mal was klären!", meinte er. "Na dann rede nicht lange um den heißen Brei herum, sondern fang an!", fauchte Jule genervt zurück.
"Ich soll euch sagen, dass ihr beide Chancen habt!", meinte er.
Jule und ich guckten uns an und lachten laut.
"Was gibt es denn da zu lachen?", fragte Carsten.
"Na, die beiden stehen doch direkt vor unserer Nase und brauchen immer noch jemanden der alles sagt.", sagte Jule die immer noch lachte.
"Ja genau,", fing ich an, "ist das denn so schwer mal eben ein paar Worte persönlich zu sagen oder glaubt ihr etwa ich habe bei ihm angerufen und für Jule Briefe abgegeben, weil mir gerade langweilig war?"
Hendrik und Daddel liefen rot an und um es zu verstecken guckten sie auf den Boden. Memke gab uns recht und meinte zu Hendrik' und Daddel' s Pech:
"Da habt ihr es gehört, also stellt euch nicht so an und sagt was dazu!"
Die beiden nuschelten sich irgendwas in ihren nicht vorhandenen Bart und als es Jule und mir schließlich zu blöd wurde gingen wir einfach. Da standen sie nun und ärgerten sich über sich selbst!
In der nächsten großen Pause kümmerten sie sich einen Scheiß um uns, und wir überlegten ob es richtig gewesen war, dass wir einfach weggegangen waren. Jetzt ärgerten wir uns schließlich, denn nicht alles was wir getan hatten war richtig gewesen und wir beschlossen dieses Mal auf die beiden zuzugehen. Gesagt, getan! Als wir vor ihnen standen und sie uns verlegen anschauten fing Jule an:
"Sorry, dass wir einfach abgehauen sind, aber es wurde uns halt zu blöd so lange zu warten bis ihr endlich einen Ton von euch hören lasst!"
"Schon gut!", meinte Daddel und Carsten gab locker und mit einem grinsen im Gesicht zu verstehen:
"Kommt, wir lassen die Turteltäubchen mal alleine!"
Sie gingen und Hendrik und Daddel schauten sich fragend an! Bis ich anfing und meinte:
"Warum fragt ihr uns nicht selber wenn ihr was von uns wollt?"
"Na ja...,", begann Hendrik,
"wir haben uns nicht getraut!", fuhr Daddel fort.
"Und warum nicht? Glaubt ihr etwa wir beißen euch oder was?", fragte Jule die erstaunt, aber auch verlegen war. "Nein, aber...," begann Hendrik wieder und machte eine Pause,
"na ja,...es ist nun mal nicht so leicht, wenn man schon so lange verliebt ist und dann...",weiter kam er nicht den ich unterbrach ihn mitten im Satz.
"Wie lange denn schon?", fragte ich neugierig.
"So ungefähr ein halbes Jahr!?", meinte Daddel der bisher noch nicht viel gesagt hatte. Jule und ich schauten uns an, nickten, gingen auf die beiden zu und küssten sie einfach, da wir wussten, wenn wir noch länger warten würden, dass wir dann noch morgen früh da stehen würden bis sie uns endlich fragen würden! Hendrik´ Lippen waren ganz warm und als er seine Hände um meine Hüften legte und mich sanft an sich zog, merkte ich erst wie zärtlich er doch sein konnte, denn in diesem Moment war er nicht mehr dieser coole Macho, der immer beweisen musste wie toll er doch war. Ich fühlte mich einfach großartig in diesem Moment. Nach einer Zeit gingen wir vier zusammen wieder zur Schule zurück.
Daddel war in diesem Moment richtig schüchtern und traute sich nicht mit Jule Händchen zu halten.
Wir gingen in unsere Klasse, weil wir Herrn Stoffers hatten, der es nicht leiden konnte, wenn man auf dem Flur saß.

Einige Zeit später...

Wir waren jetzt schon ein halbes Jahr zusammen, hatten hin und wieder Streit, was in einer guten Beziehung natürlich nicht fehlen durfte. Wir waren total glücklich miteinander, bis auf diesen Tag, denn da sollte unsere Liebe auf die Probe gestellt werden. Hendrik und ich gingen gerade ein Eis essen, als eine Modelltussi mit einem echt prallen Busen und einem richtigen Wackelarsch an Hendrik vorbeiging und er starte ihr natürlich hinterher! Was sollte ich tun? Er ließ einfach nicht locker. Er war wie ausgetauscht und ich verzweifelt! Normalerweise sprachen wir über unsere Probleme, aber was sollte ich ihm sagen? Sollte ich sagen ich wäre eifersüchtig? Vielleicht war es ja auch ganz harmlos, denn ich war schließlich auch nicht ohne, aber ich rief letztendlich doch Jule an und sprach mit ihr darüber. Doch sie meinte bloß, ich solle mit ihm darüber reden und sie nachher anrufen um ihr alles zu erzählen! Na gut. Ich rief ihn an:
"Hey! Sag mal, hast du heute ein bisschen Zeit für mich?"
"Sorry, aber ich muss lernen!"
Ich legte wieder auf und rief Jule an, die nur meinte:
"Für was will er denn lernen, die schreiben doch jetzt keine Arbeiten mehr und sonst ist er ja wohl mit der Beste in der Klasse!"
"Ich weiß auch nicht. Was soll ich nur tun?"
Im Hintergrund klingelte es und Jule meinte:
"Ich muss jetzt Schluss machen. Daddel ist hier und wir wollen schwimmen gehen. Ich kann ihn ja mal fragen, was er dazu meint und rufe dich heute Abend zurück!"
Dann legte sie auf und ich rief Steffi an. Diese hatte aber ihre eigenen Probleme und wusste auch keinen Rat! Wir redeten noch eine Weile, verabredeten uns für den nächsten Tag im Schwimmbad und dann legte ich auf! Gut, dass ich an diesem Tag alleine zu Hause war, denn ich konnte mir die Tränen einfach nicht mehr verkneifen und heulte ein wenig.
Als Jule mich an diesem Abend noch anrief meinte sie: "Es tut mir Leid, aber er weiß auch nicht was mit Hendrik los ist, aber wenn du noch was wissen willst sollst du Daddel anrufen! Okay?"
"Okay!", gab ich leidend zurück.
Ich rief Daddel allerdings nicht an, aber ich schrieb Hendrik eine SMS doch er antwortete nicht!

Am nächsten Tag ging ich zum Schwimmbad wo ich mich mit Steffi verabredet hatte. Sie wartete schon auf mich und meinte dann:
"Ich bin heute nicht sehr gut drauf!"
"Na dann können wir uns ja die Hand schütteln!", meinte ich scherzend und fragte dann:
"Warum eigentlich?"
"Bei mir sieht es in Sachen >Liebe< auch nicht gerade rosig aus,..."
Mehr verstand ich nicht, denn was ich da sah lies mich vor Wut fast platzten. Ich stieß Steffi an und zeigte auf mein Zielobjekt. Ihr fielen fast die Augen raus und brachte kein Wort mehr raus. Ich ging wütend auf Hendrik zu, der mit seiner angeblich neuen Freundin da saß. Sie begrabschte ihn ja richtig und er ließ sich alles gefallen. Das hätte ich echt nicht von ihm gedacht. Ich stellte mich mit verschränkten Armen vor ihn und machte ihn zur Sau.
"Aha, das nennst du also lernen, du arroganter Arsch! Schieb dir deine möchte gern Freundin doch sonst wo hin!", schrie ich, das alle Leute die um uns herum lagen, es hören konnten. Dann ging ich! Hendrik schaute mich und dann seine neue, die ziemlich erstaunt war, an. Er sprang auf und lief mir hinterher.
"Warte! Es ist nicht so wie du denkst!"
"Ach ja? Und wie ist es dann?"
Alle Leute guckten auf uns, aber das störte uns herzlich wenig.
"Glaubst du etwa, ich lass mich von dir verarschen?"
"Ja gut, es ist nicht richtig und ich bereue es auch...also vergibst du mir?", fragte er.
"Wenn du glaubst, dass du so wieder bei mir landen kannst, dann hast du dich gewaltig geschnitten!"
"Aber du kannst doch nicht..."
"Und ob ich kann! Deinen Ring kannst du übrigens auch wieder haben!"
Ich nahm den Ring ab den er mir geschenkt hatte und schmiss ihn vor seinen Füßen auf den Boden. Ich ging geradewegs auf den Ausgang zu, hinter mir Steffi, die das ganze mitangeschaut hatte und es total scheiße von ihm fand. Er lief mir hinterher und heulte wie aus Eimern genauso wie ich. Ich sah nur noch wie er auf dem Rasen in die Knie sank, seine möchte gern Freundin ihm eine Scheuerte, wie er den Ring fest in seinen Händen hielt und heulte. Ich lief und lief bis ich stehen blieb, zusammensackte und schluchzte. Steffi setzte sich neben mich auf den Rasen und tröstete mich. Ich heulte eine Halbestunde lang bis keine Tränen mehr kamen und als ich mich einigermaßen wieder beruhigt hatte, fragte ich Steffi:
"Warum tut er so was, wenn es ihm Leid tut und er nicht will, dass es aus ist zwischen uns?"
Sie wusste es auch nicht, aber woher sollte sie es auch wissen? Wir gingen langsam nach Hause und am Abend im Bett heulte ich wieder Rotz und Wasser.

Am nächsten Tag in der Schule erzählte ich alles Jule, die total geschockt war und das alles gar nicht fassen konnte. Ich nahm mir fest vor ihm und seiner Clique keines Blickes zu würdigen, aber als Daddel ankam und Jule begrüßte meinte er:
"Ich weiß was passiert ist und es tut mir Leid für euch und ihm tut es auch Leid!"
"Das hätte er sich früher überlegen sollen!", schimpfte ich und ging sauer in das Schulgebäude. Jule kam mir hinterher, nahm mich in den Arm und ich vergrub mich in ihrer Schulter wo ich mir vornahm nicht zu heulen und das tat ich auch nicht, aber als ich wieder hochsah, stand Hendrik da und schaute mich bettelnd an, wie ein kleiner Hund. Er sah so süß aus und trotzdem konnte ich ihm nicht verzeihen. Ich drehte mich um und ging. An diesem Tag hörte ich noch von Daddel, dass Hendrik im Unterricht überhaupt nicht aufpassen würde und die ganze Zeit meinen Namen auf seinen Tisch schreiben würde, aber als Daddel dann auch noch meinte:
"Vergib ihm! Er hat einen Fehler gemacht und er bereut ihn!" Drehte ich förmlich durch. Ich fauchte ihn an und ging. Selbst in der großen Pause ließ er nicht locker, denn als er auf mich zu kam, mir einen Brief entgegenstreckte und mich flehend bat:
"Ich weiß, dass du ihn jetzt sofort zerreißen willst, aber bitte lies ihn vorher!" >Oh ja, am liebsten würde ich ihn zerreißen und dir dein Maul stopfen!<, dachte ich, aber ich las ihn trotzdem. Doch was ich da las, ließ mich etwas in meiner Meinung zu dem was gewesen war schwanken.


Hey Janin!
Ich weiß nicht warum ich so was getan habe und ich bereue es zu tiefst.
Sie sah nicht wirklich schlecht aus, aber sie ist nicht wie du und das habe ich dann auch gemerkt. Denn weißt du, sie achtet so sehr auf ihr äußeres und merkt gar nicht, dass sie im inneren die reinste Grotte ist und dann wollte sie mir sogar vor allen Leuten an die Wäsche und dann bist du gekommen und wärst du das nicht, dann wäre ich aufgestanden und gegangen. Bitte! Du musst mir glauben. Es tut mir so Leid und ich wollte nicht, dass es aus ist zwischen uns, denn ich liebe dich, wie ich noch kein anderes Mädchen geliebt habe und je lieben werde. Du bist meine absolute Traumfrau, auch ohne Modelfigur, denn du bist und bleibst MEIN Model, also vergib mir bitte! Ich kann nur noch mal sagen, dass es mir total Leid tut und du meine große Liebe bist!
Wenn du dich jetzt fragst, was du mit deinem Ring machen sollst der in dem Umschlag ist, ich sag es dir! Wenn du mir vergibst, dann mach ihn um und wenn nicht, dann gibst du ihn mir sicherlich wieder, aber vergiss nicht, ich werde weiter um dich kämpfen, denn ich liebe dich!

Hannes

Am liebsten hätte ich ihm nach diesen süßen Zeilen vergeben, aber er sollte endlich mal kapieren, dass ich mir nicht alles gefallen ließ! Ich ging also in der nächsten Pause mit Steffi zu ihm hin und gab ihm den Ring mit den Worten wieder:
"So einfach wie du es dir machst ist das Ganze nun mal nicht Hendrik!"
Er sah ziemlich traurig aus, aber ich musste hart bleiben, was mich eine ganze menge Überwindung kostete. Steffi und ich setzten uns ausnahmsweise mal da hin wo wir seine Klasse nicht sehen konnten und redeten über dies und das, bis Daddel um die Ecke kam und mich verständnislos fragte:
"Was sollte denn das bitte schön? Ist er dir jetzt völlig egal oder wie?"
"Nein, natürlich nicht, aber er soll kapieren, dass ich so was nicht mit mir machen lasse!"
"Aha, und wie hast du dir das im Klartext gedacht?" "Na, ich lasse ihn noch ein wenig zappeln und wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist verzeihe ich ihm."
"Und wie merkst du wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist?"
"Wenn er was tut, was mich absolut überzeugt hat!"
"Soll ich ein wenig nachhelfen?"
"Wenn er sich helfen lässt!"
"Das kriege ich schon wieder hin. Warte die Zeit ab!" "Du bist echt lieb!"
"Ich weiß! Sag mal, liebst du ihn überhaupt noch richtig?"
"Was für eine blöde Frage! Natürlich liebe ich ihn noch, sonst würde ich das ja nicht tun, aber von diesem Gespräch muss er ja nichts wissen!"
"Ja schon klar! Also ich muss jetzt wieder. Sag Jule, dass ich sie ganz doll liebe und sie ganz doll vermisse!" "Ja mache ich.", sagte ich ein wenig eifersüchtig.
Ich liebte ihn wirklich und hoffte, dass alles wieder so werden würde wie früher! Jetzt saß ich da und dachte an ihn, doch als mich Steffi unsanft aus meinen Träumen riss, merkte ich erst, dass unser Geschichtslehrer gekommen war und wir gingen in die Klasse. Als ich Jule die Botschaft `überreichte´, war sie ganz hin und weg! In dieser Stunde dachte ich nur noch an einen - Hendrik! Ich musste ihn unbedingt wieder haben! Das stand fest, aber ich war mir nicht im klaren was er tun sollte, damit ich überzeugt wäre.

In der kleinen Pause blieb ich in der Klasse und redete mit Jule. Plötzlich kam Carsten durch die Tür und setzte sich zu mich.
"Kann ich dich mal kurz unter vier Augen sprechen?"
Jule stand auf und ging zu Silja, dann setzte er sich und fing an zu reden.
"Sag mal, findest du das okay, was du da mit Hendrik abziehst?"
"Du verstehst das nicht!"
"Dann erkläre es mir!"
"Was mischt du dich da eigentlich ein?"
"Du weißt doch gar nicht wie verzweifelt er ist."
"Nein, da hast du schon recht, aber weißt du wie ich mich dabei gefühlt habe, als er mit seiner NEUEN da rum geturtelt hat?"
"Nicht direkt."
"Also!"
"Ist ja schon gut! Aber eine Sache ist da noch die ich dir unbedingt sagen muss!"
"Na dann schieß los!"
"Er bemüht sich wirklich und mit seiner `NEUEN´ hat er schon wieder Schluss gemacht und da war nichts, ist nichts und wird auch nie mehr was sein."
"Schön für ihn. Aber versetz dich doch mal in meine Lage! Was würdest du denn an meiner Stelle tun?"
"Keine Ahnung!"
"Siehst du!"
"Liebst du ihn denn noch?"
"Ja tue ich!"
"Na dann ist ja alles klar!"
Mit diesen Worten ging er wieder zurück in seine Klasse!
Oh Mann, was sollte ich denn nur tun? Es war alles so kompliziert. Ich wusste gar nichts mehr, außer, dass etwas passieren musste! Dann kam unser Klassenlehrer Herr Hamann. Oh nein! Nicht jetzt auch noch Mathe! Mir kam die Galle hoch und mir war nach kotzen zu Mute! Aber es war ja nicht mehr zu ändern - Leider!

Am Nachmittag bekam ich eine SMS. Sie war von Hendrik und es war total süß, was er sich immer so einfielen ließ um mir zu sagen, dass er mich liebte! Ich las sie gleich mehrere Male hintereinander und war ganz hin und weg, als ich von meiner großen Schwester Julie unsanft aus meinen Träumen gerissen wurde.
"Was willst du denn?"
"Wo ist meine CD, du kleine Diebin?"
"Was weiß ich, wo du deine Sachen immer hinpackst!"
"Wieso ICH? Du moppst dir doch immer alles!"
"Ach hau doch einfach wieder ab ich habe genug andere Probleme. Ich will mich jetzt nicht auch mit deinen verschollenen CD's rumärgern!"
Sie setzte sich neben mich und fragte:
"Was ist denn? Liebeskummer?"
"Ja! Und wie!"
"Erzähl, vielleicht kann ich dir ja helfen!"
Dann erzählte ich ihr die ganze Story und sie überlegte lange.
"Hhhmmm..., aber du liebst ihn noch oder wie?"
"Ja!"
"Na dann sag ihm das doch und das du dir nicht sicher bist ob das mit euch noch einen Sinn hat!"
"Na ich weiß nicht. Ich meine, ich habe Daddel ja schon gesagt, dass ich ihn noch will, er mir aber zeigen soll, dass er mich auch will und das es ihm wirklich wichtig ist. Verstehst du?"
"Natürlich! Du meinst also, er muss dich davon überzeugen!?"
"Genau das meine ich!"
"Dann ruf Daddel an und schlag ihm das vor und warte ab, was er dazu sagt."
"Okay und danke! Ich hab dich lieb!"
"Ich dich doch auch! Auch wenn du manchmal ziemlich nervig bist!"
"Du aber auch!"
Sie grinste, ging und ich rief Daniel an.
"Daniel Block!"
"Hi, ich bin's. Ich wollte dich mal was fragen!"
"Tach! Na dann schieß ma los!"
"Also, ich habe mir da so gedacht, dass ich Hendrik ne SMS oder einen Brief schreiben könnte in dem steht, dass ich ihn noch liebe, aber das ich nicht weiß ob es wirklich noch Sinn macht, wenn er so etwas tut. Was sagst du?"
"Na ja,... find ich nicht schlecht, aber ich weiß nicht wie er darauf reagieren wird!"
"Wenn er mich wirklich liebt, wird er weiter um mich kämpfen oder siehst du das anders?"
"Da hast du allerdings recht."
"Also?"
"Zieh es durch, aber schreib ihm einen Brief und gib ihm den in der Schule. Das kommt besser rüber."
"Okay. Danke, du bist echt nett!"
"Gern geschehen. Du übrigens auch!"
Dann legte ich auf.
Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und fing an zu schreiben.

Hallo Hendrik!
Ich wollte dir bloß sagen, dass ich dich zwar immer noch liebe, mir aber absolut nicht sicher bin, ob das mit uns noch einen Sinn hat, wenn du so etwas machst!
Ich meine, dass du dir eine andere suchst ohne das du es überhaupt willst.
Deine Meinung dazu würde mich allerdings schon interessieren. Darum bitte ich dich, mir zu antworten.

Janin

Ich zeigte den Brief noch Julie und packte in dann in meinen Eastpak.

Am nächsten Morgen in der Schule ging ich gleich mit Jule zu Daddel und den Anderen. Ich gab Hendrik den Brief. Er guckte mich eine Zeit lang an, drehte sich dann um, ging ein paar Schritte von uns weg und las dann meinen Brief. Als er fertig war kam er gleich zu mir, nahm meinen Arm und zog mich ein Stück weg.
"Also, du willst also meine Meinung dazu hören!?"
"Ja will ich!"
"Okay, wie gesagt, es tut mir leid und ich weiß nicht warum ich das gemacht habe, aber was ich weiß ist, dass du die einzige bist, die ich liebe und immer lieben werde. Ich will dich nicht verlieren und ich denke schon, dass es noch einen Sinn mit uns hat. Ich liebe DICH!"
"Ich dich auch, aber..."
"Was aber?"
"Na ja, das Vertrauen ist nicht mehr so wie früher."
"Das ist doch klar, bei dem was ich abgezogen habe."
"Schön, dass du es selber einsiehst!"
"Du weißt doch ich liebe dich!"
"Ich dich auch!"
"Wollen wir noch mal ganz von vorne anfangen?"
"Ja, gib mir aber Zeit!"
"Ist doch klar!"
Er nahm mich in seinen Arm und küsste mich. Aber auf die Wange. Irgendwie wollte ich zwar das er mich richtig küsste, aber ich ließ es bei dem.

1 Monat später...

Steffi und ich saßen auf dem Flur und wieder mal nervte mich Steffi mit ihren Hans-Friedrich (Hafrie) Problemen. Es war echt nicht mehr auszuhalten, wie sie diesen Kerl vergötterte, obwohl er ihr schon zich tausend Mal gesagt hatte, dass er sie nicht abkann.
"Ich verstehe echt nicht was du an diesem blöden Kerl so toll findest."
"Und ich verstehe nicht, warum du Hendrik so toll findest!"
"Er ist total lieb, aber davon verstehst du ja nichts!"
"Hafrie ist auch total lieb!"
"So was nenne ich Einbildung!"
In dem Moment kam Hendrik und begrüßte mich mit einem Kuss. Wir waren jetzt wieder ein Paar und wieder total glücklich miteinander. Steffi guckte Hendrik angewidert an. Ich wusste nicht, was das sollte. Wenn sie ihn nicht mochte, dann war das doch ihr Problem und dann musste sie es ja auch nicht so offensichtlich machen!
"Na meine süße! Alles klar?"
"Ja und bei dir?"
"Joa,...doch eigentlich schon!"
"Das ist schön!"
Wir küssten uns wieder. Wie ich seine warmen Lippen und seine Zärtlichkeit in der Zeit wo wir getrennt waren vermisst hatte. Ich wollte DIESEN `Mann´ und das wusste ich. Am Nachmittag würde er zu mir kommen, aber jetzt war erst mal ja noch Schule und unsere Englisch Lehrerin Frau Hirschel-Padubrin kam. Ich mag Englisch nicht besonders, aber ich hatte ja nun mal keine andere Wahl!

Nach dieser `wunderschönen´ Stunde hatten wir Chor und ich war voll in meinem Element. Wir probten für das bevorstehende Sommer Konzert. Hendrik saß im Publikum und hörte zu. Er wartete extra zwei Stunden auf mich. Ich freute mich riesig bis Steffi mich wieder mit ihrem Hafrie Wahn nervte. Ich hörte ihr nicht wirklich zu, aber sie faselte irgendwas von wegen und so ein Scheiß!

Als Hendrik und ich nach einer einstündigen Busfahrt endlich bei mir zu Hause ankamen setzte ich mich auf mein Sofa, Hendrik setzte sich daneben und wie erwartet küsste er mich. Mit seiner Hand ging er mir unter mein T-Shirt. Ich wusste was er wollte, aber wollte ICH es? Ja ich wollte! Ich wollte DIESEN `Mann´ das stand fest.
Langsam zog er mir mein T-Shirt aus...als plötzlich die Tür ins Schloss fiel. Schnell zog ich mir mein T-Shirt wieder an und als Julie in mein Zimmer kam taten wir so als würden wir Hausaufgaben machen.
"Na ihr zwei Turteltäubchen störe ich bei irgendwas?"
"Nein, wie kommst du denn auf die Idee?"
"Ich meine ja bloß. Ich muss gleich wieder weg. Sag Ma bitte, dass ich so gegen 20.00 Uhr wieder da bin okay?"
"Jo, alles klar!"
"Na dann will ich euch mal nicht länger stören."
Sie ging und kurz darauf knallte auch schon die Tür und sie fuhr mit ihrem Auto vom Hof.
Langsam näherte sich Hendrik mir wieder, küsste meinen Hals und ging immer tiefer. Ich genoss seine Zärtlichkeit. Irgendwie hatte ich ein bisschen Angst, da es mein erstes Mal sein würde, aber was er mir zu meinem erstaunen anvertraut hatte, war, dass es auch sein erstes Mal sein würde. Ich dachte immer Jungs in seinem Alter und mit seinem Aussehen hätten so was schon hinter sich, aber da hatte ich mich wohl getäuscht.
Langsam zog er mir wieder das T-Shirt aus und dieses Mal blieben wir ungestört.
Ich hätte ihn am liebsten den ganzen Tag festgehalten, aber er musste ja auch wieder nach Hause. Allerdings würde ich ihn ja schon morgen wiedersehen, denn da war das Konzert und ich würde nach dem Aufbauen in der Schule mit zu ihm fahren und von dort aus am Abend zum Konzert und dann bei ihm übernachten.

Diese Hitze war nicht auszuhalten und wir mussten Stühle, Tische, Teppiche etc. in die Sporthalle schleppen.
Als ich mich gerade auf einen Stuhl fallen ließ, zog mich Hendrik schon wieder hoch, aber zum Glück sagte er dann:
"Komm, lass uns hier abhauen!"
Man hatte ich ein Glück an diesem Tag. Wir gingen zu seinem Moped, das wie ein Schrotthaufen aussah, und `fuhren´ zu ihm nach Hause. Dort trank ich erst mal vier Gläser Eistee und ging dann mit ihm in sein Zimmer, wo ich mich erschöpft auf sein Bett fallen ließ und die Augen schloss. Er kam zu mir, legte sich auf mich und küsste mich. Wir waren ziemlich heftig am rumknutschen, als sein Bruder Björn-Martin ins Zimmer platzte.
"Huch! Ähem Hendrik Telefon für dich!"
"Wer?"
"Ein Mädchen. Sie sagt du kennst sie von früher. Sie heißt Sarah!"
"Wer ist denn das?", fragte ich verdutzt.
"Das ist diese dumme Kuh!"
"Kommst du?"
"Sag dieser Fotze, sie soll mich nicht nerven und das ich verdammt noch mal nichts von ihr will!"
"Okay!"
Dann ging er wieder.
"Ist das diese Modeltussi?"
"Ja, aber lass uns nicht mehr darüber reden. Wo waren wir stehen geblieben...ach ja!"
Dann ging die Tür wieder auf.
"Ich muss noch mal stören. Sie will DICH sprechen und sie lässt sich überhaupt nicht abwimmeln."
"GIB MIR DAS TELEFON!"
"Okay!"
"WAS WILLST DU?"
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"ICH DICH ABER NICHT!"
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"RUF NIE WIEDER HIER AN! ICH WILL NIX VON DIR KAPIERT?"
Dann legte er auf ohne auf irgendeine Antwort zu warten. Björn-Martin nahm das Telefon und verschwand endlich wieder! Die gute Laune von Hendrik war jetzt allerdings futsch. Er war total genervt und ich konnte ihn nicht mal mit lieben Worten oder sonst was ablenken. In diesem Moment `kotze´ er mich echt an! Er war unerträglich, aber zum Glück beruhigte er sich bis zum Konzert wieder.

In der Turnhalle trafen wir Jule und Daddel, die ziemlich heftig am turteln waren. Wir gingen zu ihnen hin und begrüßten sie. Plötzlich tippte jemand Hendrik auf die Schulter. Er drehte sich um und schlagartig war er wieder mies drauf.
"Wer ist denn das?", fragte Jule.
"Das ist diese Modeltussi von der ich dir erzählt habe. Die hat vorhin auch bei ihm angerufen. Sie scheint aber immer noch nicht kapiert zu haben was er gesagt hat."
Ich ging entschlossen zu Hendrik und er legte seinen Arm um mich. Dann fragte diese blöde Kuh auch noch:
"Ist das deine Freundin?"
"Ne, das ist meine Mutter! Natürlich ist das meine Freundin!"
"Sorry, dass ich frage!"
"Könntest du jetzt endlich abhauen und mich in Ruhe lassen!"
"Ich wollte doch bloß..."
Dann platzte Daddel dazwischen.
"Willst du etwa wieder alles kaputt machen?"
"Wieso wieder?"
"Weil Hendrik damals mit dir fremd gegangen ist und es eine ziemliche Arbeit war die beiden hier wieder zusammen zu bringen, weil Janin überhaupt kein Vertrauen mehr zu ihm hatte, also verpiss dich!"
"Ach so ist das also! Verstehe!"
Dann zog sie beleidigt ab und Daddel schrie ihr noch hinterher:
"Und belästige ihn nie wieder!"
Sie reagierte aber nicht, sondern ging einfach weiter.
"Danke Daddel!"
"Gern geschehen!"
Dann nahm mich Hendrik ganz fest in seinen Arm und küsste mich.


Das Vororchester, in dem Jule war, war jetzt fertig mit ihren zwei Stücken und der Chor war an der Reihe. Im Gegensatz zu manchen anderen Leuten war ich nicht aufgeregt, denn ich konnte alle Stücke auswendig. Na ja, zugegeben, das Stück konnte ich nicht besonders gut, aber ich mochte es sowieso nicht und von daher war es mir auch ziemlich egal.
Wir waren gerade mit dem Stück fertig, als Hendrik und die anderen Band Leute auf die Bühne kamen. Auf dieses Stück freute ich mich schon die ganze Zeit. Herr Möller gab ein Zeichen und Hendrik, Daddel, Heiko und Daniel fingen an zu spielen. Wie bei den Proben quälte sich Mario bei seinem Solo einen ab. Er konnte halt nicht richtig das Mikro halten, wollte es sich aber auch von keinem zeigen lassen, weil er dachte es sei so richtig. Tja, da sieht man mal wie wenig Ahnung der Typ hat.
Ich mag Mario nicht besonders, aber das beruht, glaube ich auf Gegenseitigkeit. An diesem Stück war allerdings noch etwas ganz besonders - Hendrik! Er spielte ein Gitarrensolo auf dem Bass. Es war spitze und das Publikum tobte, aber das war ja noch nicht alles, denn nun kam das Medley von Andrew L. Webber. Das Orchester kam auf die Bühne und es dauerte ein wenig bis wir anfangen konnten, aber dann fing Herr Graf an zu dirigieren. Es sah wie immer lustig aus, aber wir durften jetzt nicht lachen. Es fiel uns schwer, denn bei dem ausschnitt von mussten wir immer lachen, aber wir rissen uns am Riemen. Wieder tobte das Publikum und endlich konnten wir runter von der Bühne, denn es war ziemlich warm in der Turnhalle und im Scheinwerferlicht. Unten traf ich Jule vor der Bühne und wir gingen ein wenig raus an die frische Luft. Jetzt würden wir unsere Jungs eine ganze Weile erst mal nicht sehen, denn sie mussten jetzt überall mitspielen. Wir würden sie zwar in der Pause sehen, aber die war viel zu kurz und danach hatten wir auch nicht viel Zeit füreinander, denn wir mussten ja auch noch mit abbauen helfen.
Wir gingen also raus und schlenderten ein wenig über den großen Parkplatz.
"Daddel geht für drei Monate nach Kanada."
"WAS????"
"Ja, er hat es mir heute gesagt."
"Oh mein Gott!"
"Das wäre jetzt eigentlich mein Spruch gewesen. Wie soll ich das bloß ohne ihn aushalten?"
"Keine Ahnung!"
"Das dachte ich mir."
"Geht sonst noch wer aus der Klasse weg?"
"Du wolltest mich wohl damit fragen, ob Hendrik auch wegfährt oder?"
"So kann man es auch sagen."
"Warum tust du das dann nicht?"
"Ist doch auch egal. Fährt er oder nicht?"
"Soweit ich weiß nicht!"
"Puh! Glück gehabt!"
"Tja du, aber ich darf hier drei Monate alleine rumgammeln. Na gut ich habe ja dich, aber du bist halt nicht Daniel. Was ist denn wenn er da eine andere trifft?"
"Quatsch! So was macht der nicht."
"Was ist wehenn?"
"Jule ich weiß es nicht! Ich denke mal, dass er dir treu bleibt. Da kann sogar Jennifer Lopez oder irgendeine andere Tussi ankommen und ihm eine heiße Nacht versprechen. Er wird nein sagen. Ich meine, er liebt dich!"
"Ich glaube du hast recht."
"Ich habe immer recht!"
"Ja, ja du mich auch!"
Wir musste lachen und gingen wieder in die Turnhalle und setzten uns an eine Wand. Daddel grinste und winkte uns zu. Von hier aus konnte man Daddel und Hendrik wunderbar beobachten. Jule und ich machten ein paar nicht ernst gemeinte scherze über die beiden und als Hendrik und ich ein wenig flirteten verpasste er doch fast sein Gitarrensolo. In der Pause kamen die beiden zu uns.
"Braucht ihr irgendwas?"
"Ne Cola wäre nicht schlecht!"
"Wie die Damen wünschen!"
Dann gingen sie zum Getränkestand und holten zwei Colas und zwei Bier. Hendrik setzte sich zu mir, gab mir einen Kuss und trank dann genüsslich sein kaltes Bier. Irgendwann krallte ich mir die Flasche und nippte auch mal dran. Dann stand Hendrik auf und zog mich hinter sich mit nach draußen hinter die Turnhalle, wo wir alleine waren. Ich stellte die leeren Flaschen auf den Boden und lehnte mich an die Wand. Ich sah in den klaren Sternenhimmel und plötzlich merkte ich etwas kaltes an meinem Hals. Ich erschrak und sah in Hendrik´ erstauntes Gesicht.
"Was ist denn los?"
"Ich habe mich bloß erschrocken."
"Na dann kann ich ja weiter machen.", sagte er zärtlich und machte sich wieder an meinem Hals zu schaffen.
Nach einer ganzen Weile begaben wir uns wieder in die Sporthalle und Hendrik ging zur Bühne, aber was sollte denn das? Er blieb stehen, drehte sich um, lief zu mir und küsste mich noch einmal ganz lange, dann musste er sich aber beeilen, denn Herr Graf machte schon ein ziemliches Theater.
"Euer Tächtel Mächtel könnt ihr wo anders machen, aber nicht hier!"
"Verzeihung!", stammelte Hendrik und ging zu seinem Bass auf die Bühne.
Es wurde wieder dunkel und das Orchester fing an zu spielen.
"Was hast du denn da?", fragte Jule mich und zeigte auf meinen Hals.
"Was soll ich denn da haben?"
"Du hast da einen ziemlich großen, roten Fleck. Sieht aus wie ein Knutschfleck."
"Kann schon sein."
"Was habt ihr denn so in der Pause getrieben?"
"Ein bisschen rumgeknutscht und so weiter. Warum?"
"Ach nur so!"
"Hey, sag schon, was ist los!"
"Nichts! Was soll denn los sein?"
"Ach ist ja auch egal."
Wir laberten eine ganze Weile ziemlich wirres Zeug, bis Herr Stoffers kam und uns ermahnte.
"Seit gefälligst leise!", meinte er und ging dann auf die Bühne, denn seine Big Band war als nächstes dran.
Leidend sah ich Hendrik an und er schickte mir mit seiner Hand einen Kuss zu. Er hatte sich total verändert in der Zeit wo wir jetzt schon zusammen waren. Er war nicht mehr dieser obercoole Macho, sondern ein richtig süßer Kerl. Na gut, manchmal trieb er es schon auf die spitze mit seinem Macho gehabe, aber es hielt sich in Grenzen.

Beim Abbauen verkrümelten wir uns heimlich und fuhren zu ihm nach Hause. Ich fand es total cool von meinen Eltern, dass sie mich bei ihm schlafen ließen, denn so was hatten sie noch nie erlaubt. Sie wurden halt doch noch cool!
Bei ihm zu Hause angekommen bestellte er uns erst mal zwei Pizzas und ich legte mich auf sein Bett und machte den Fernseher an. Als er hochkam machte er den Fernseher wieder aus.
"Hey! Da kommt gerade !"
"Hey entspann dich!"
Er setzte sich neben mich und massierte meinen Rücken.
"Nicht aufhören Baby!"
"Muss ich aber wenn es klingelt, weil die Pizzen bald da sind."
"Och nö!"
"Och doch!"
Nach ca. einer viertel Stunde stand er auf und ging runter zur Tür. In der Zeit schaltete ich wieder den Fernseher an und schaute meine Lieblings Serie weiter.
"Och Süße!", sagte er genervt und wollte den Apparat gerade wieder ausschalten.
"Hey Baby. Bitte nur noch die letzte halbe stunde!"
"Okay, aber nur weil du es bist!"
Ich richtete mich auf und er reichte mir den Teller mit meiner Hawaii Pizza.
Nach einer halben Stunde war die Serie zuende und ich war auch endlich mit meiner Pizza fertig. Hendrik war auch fertig, aber allerdings mit den Nerven.
Ich stand auf, ging zu ihm hin und strich ihm mit den Fingern durch die Haare. Dann setzte ich mich mit dem Gesicht zu ihm gewendet auf seinen Schoß und sah ihm ganz tief in die Augen. Er legte sein süßestes Lächeln auf und zog mich noch näher an sich ran.
Die Nacht schlief ich in seinem Bett und wir kuschelten uns ganz eng aneinander.

Am nächsten Morgen stand ich im Badezimmer, als Hendrik an die Tür klopfte.
"Hey Süße, deine Schwester ist am Telefon."
"Ich komme!"
Ich band mir ein Handtuch um und machte die Tür auf. Vor mir stand Hendrik in einer Boxershorts, wo Rennautos drauf waren. Ich musste grinsen und er wusste auch warum. Trotzdem sah er zum anbeißen aus. Er reichte mir mein Handy und ich fragte etwas genervt:
"Ja?"
"Hey Schwesterherz! Haste die Nacht gut überstanden?"
"Ja klar. Warum rufst du an?"
"Ich wollte dich fragen, wie du nach Hause kommst!?"
"Ich dachte mit dem Bus. Ich meine, wenn einer fährt."
"Ich kann dich abholen und dachte mir so, dass wir den Tag vielleicht mal zusammen verbringen könnten. Ich meine, so unter Schwestern halt."
"Ja klar, warum nicht. An was hast du denn da so gedacht?"
"Wie wäre es mit Essen gehen und am Nachmittag vielleicht ins Kino?"
"Cool! Wann holst du mich ab?"
"Wann hast du denn aus?"
"Um 10.40 Uhr."
"Okay. Bis dann"
"Cö!"
Dann legte ich auf und drückte Hendrik, der immer noch vor mir stand das Handy in die Hand.
"Man bist du sexy!"
"Baby, ich weiß!", sagte ich, grinste und schloss die Badezimmertür hinter mir zu!
Jetzt war erst mal eine heiße Dusche angesagt. Ich stellte den Wasserhahn an und ließ das warme Wasser auf mich runterprasseln.
Als ich aus dem Bad kam, war Hendrik schon fertig. Ich hingegen stand da in BH und Tanga. Er warf mir ein lächeln zu, was soviel heißen sollte wie: und gab mir einen klaps auf den Po. Ich grinste in mich rein, ging in sein Zimmer und zog mir ein Top und eine Hose an.
"Beeilst du dich? Wir müssen gleich los!"
"Ja! Bin sofort fertig!"
Ich schnappte mir meinen Rucksack und lief die Treppe runter, wo ich nicht mehr bremsen konnte und direkt in Björn-Martins Arme lief.
"Siehst echt sexy aus nur so mit BH und Tanga. Man hat mein Bruder ein Glück so eine geile Freundin zu haben."
Er grinste nur noch dämlich und ging dann die Treppe hoch! Ich fand das gar nicht lustig und deshalb erzählte ich das auch erst mal Hendrik, der ziemlich ausrastete und seinem Bruder am liebsten erst mal eine reingehauen hätte. Allerdings war dafür nun leider keine Zeit mehr, denn wir waren schon ziemlich spät dran, aber was gut war, war, dass wir in der ersten Stunde noch mit Abbauen helfen sollten, also konnten wir ruhig fünf Minuten später kommen. Ich stieg mit kribbeln im Bauch auf sein Moped und wir tuckerten zur Schule.
Als wir in die Sporthalle gingen, kamen uns Jule und Daddel entgegen. Daddel war Stockbesoffen und konnte nicht mehr geradeaus gehen. Jule ging neben ihm her und sah nicht gerade fröhlich aus, was mich nicht wunderte. Ich ging zu ihr hin und zog sie an den Rand.
"Was hat der denn? Ich meine, er ist besoffen, das ist ja nicht zu übersehen, aber...!?"
"Ich weiß nicht! Als ich ihn heute morgen begrüßen wollte, hat er mich weggestoßen und sein Bier weitergesoffen."
"Ich glaube, der muss einfach nur seinen Rausch ausschlafen."
"Wenn du meinst!"
Wir gingen zu den beiden Jungs und ich begrüßte Daddel, der nicht so recht wusste wer ich bin. Er torkelte nach draußen und lief gegen den Türrahmen und fiel um. Jule rannte sofort zu ihm hin, aber er war Ohnmächtig. Wir trugen ihn in das Krankenzimmer. Dann wachte er langsam wieder auf.
"Jule? Schatz? Bist du es?"
"Ne, ich bin der heilige Geist!"
"Mach keine Scherze."
"Dir scheint es ja wieder besser zugehen. Ich meine, jetzt hast du mich wenigstens erkannt!"
"Was erzählst du denn da? Ich würde dich immer erkennen!"
"Ja, ja, das hat man ja vorhin gesehen."
Hendrik und ich gingen raus und warteten auf dem Sofa vor der Tür. Dann sah er mich lange an und meinte:
"Bin ich auch manchmal so schlimm?"
"Nicht ganz so schlimm!"
"Dann bin ich ja beruhigt."
Er streichelte mir über die Wange und flüsterte:
"Ich liebe dich!"
Das hatte er schon lange nicht mehr gesagt. Dann küsste er mich. Es war noch genauso wie am ersten Tag. Es war wie ein Feuerwerk, wenn er mich küsste, aber wir waren viel entspannter als vorher, wenn wir alleine waren.
Plötzlich ging die Tür auf und Daddel kam unsicher raus. Jule hinterher. Er war ziemlich wacklig auf den Beinen und sah ziemlich müde aus. Jule konnte wieder ein wenig strahlen. Sie setzten sich zu uns. Hendrik legte seinen Arm um mich und ich kuschelte mich richtig an ihn ran. Fast wäre ich eingeschlafen, wenn Herr Hamann nicht plötzlich vor uns gestanden hätte.
"Habt ihr jetzt nicht Unterricht?"
Schlagartig war ich wieder Hellwach.
"Ähm...ja...eigentlich schon...glaube ich!"
"Na dann bitte begebt euch in eure Klassenräume."
Wir vier standen auf und Hendrik und Daddel begleiteten uns noch bis vor unsere Klasse, dann gingen sie zu ihrer Klasse. Wir hatten gerade Englisch. Wie öde! Allerdings gab es in der nächsten Stunde ja auch schon Zeugnisse, aber erst war ja noch die große Pause. Das war allerdings auch erst in einer halben Stunde. Jetzt spielten wir wieder eines der doofen Spiele von Frau Hirschel.

Diese Stunde hatte ich ganz knapp überstanden. Jule und ich machten uns auf den Weg zu Dreyer, wo ich mir erst mal eine BRAVO kaufte. Wir standen noch bei den Zeitschriften, weil Jule sich nicht zwischen der BRAVO und der YAM entscheiden konnte, als ich plötzlich was kaltes an meinem Bauch spürte. Ich erschrak mich so sehr, dass ich auf schrie und die Zeitschrift quer durch den Laden schmiss. Hendrik, der sich halb schlapp lachte stand vor mir, legte seine Hände um meine Hüften, zog mich ganz nah an sich ran und meinte dann:
"Ist ja schon gut!"
"Ha, ha, wie witzig! Ich lach mich krank."
Langsam beruhigte er sich wieder und holte meine Zeitschrift aus einer Ecke des Ladens. Wir gingen Hand in Hand mit Jule und Daniel zurück zum Schulgebäude.
Jetzt waren die Zeugnisse an der Reihe. Oh mein Gott!
"Ich hab so ein Schiss vor meinem Giftblatt.", sagte ich.
"Komm mal her mein Schatz! Du schaffst das schon. Ich weiß es!"
"Hauptsache DU hast vertrauen zu mir!"
"Hauptsache, du drückst mir die Daumen."
"Ist doch klar!"
"Na das hoffe ich auch."
Dann nahm er mich in den Arm und küsste mich liebevoll.
"Ich warte nachher auf dich, falls wir unsere Zeugnisse eher haben sollten als ihr. Okay?"
"Süß von dir!"
Dann zog ich Jule mühevoll von Daddel weg und zerrte sie in die Klasse, wo auch schon Herr Hamann stand und eine seiner langweiligen Predigten hielt.

Jetzt war es soweit. Ich brauchte bloß noch durch diese Tür und ich würde dieses Gebäude ganze 6 Wochen nicht mehr sehen. Alles war okay. Na ja, fast alles. Hendrik hatte eine 5 in Mathe. Er war so sauer und meine Schwester stand schon an der Haltestelle.
"Hey! Meine Schwester ist schon da!"
"Ja, ja! Bis irgendwann mal!"
"Sag mal spinnst du jetzt total oder was?"
Dann rannte ich zu Julie. Zum Glück hatte meine Schwester ein Auto und ich musste nicht mit diesem blöden Bus fahren, der wahrscheinlich noch nicht mal bei mir hielt. Jetzt freute ich mich gar nicht mehr auf die Ferien. Ich hatte Zoff mit Hendrik, zumindest glaube ich das, und er hatte ne 5 in Mathe.
"Na, wie war es denn heute so?"
"Scheiße! Absolut Scheiße!"
"Wieso denn das? Ist das Zeugnis schlecht ausgefallen?"
"Nein. Zumindest nicht bei mir!"
"Wieso zumindest nicht bei dir?"
"Na ja, bei Hendrik, also der hat ne 5 in Mathe gekriegt. Na ja, und jetzt mault er mich dafür an und kann noch nicht mal richtig tschüss sagen."
"Ach so. Hab mich ehrlich gesagt auch schon gewundert."
"Warum?"
"Na, weil ihr euch nicht umarmt habt. Ihr habt euch nicht geküsst. Nein, gar nichts!"
"Das liegt an diesem Sturkopf von Hendrik!"
"Vergiss ihn bitte für heute! Nur für heute!"
"Ja okay! Was wollen wir eigentlich im Kino gucken?"
"Keine Ahnung! Entscheide du!"
"Oh Gott! Wie wäre es mit...Spider Man?"
"Ja okay!"
Ich schaltete mein Handy aus, denn dieser Tag sollte mal ohne eine SMS oder einen Anruf verlaufen. Wir fuhren zum Italiener und ich bestellte mir erst mal eine Cola und eine große Hawaii Pizza. Meine Schwester und ich unterhielten uns über Jungs, die Schule und allen anderen möglichen Kram. Nachdem wir aufgegessen hatten fuhren wir nach Hause. Unsere Eltern waren schon heute morgen in den Urlaub geflogen. Wir wollten nicht mit und deshalb ließen sie uns für drei Wochen alleine. Was Hendrik und ich in diesen Wochen machen wollten hatten wir schon geplant, aber ob das jetzt noch was werden würde war die große Frage. Ich machte mir keine weiteren Gedanken darüber denn plötzlich kam Julie in mein Zimmer gestürmt.
"Ich habe eine Idee!"
"Na dann schieß los!"
"Wollen wir uns jetzt Erkan und Stefan angucken, dann Spider Man und dann schmuggel ich dich zu Blade 2?"
"Klasse! Warum nicht!"
Wir fuhren sofort los und als wir da waren bestellte sie 6 Kinokarten für diesen Tag.

Es war jetzt schon 01.15 Uhr und wir waren fast zu Hause. Dieser Tag war so geil gewesen, bis auf das mit Hendrik, aber das interessierte mich in diesem Moment gar nicht mehr. Wir fuhren auf unseren Hof und ich ging müde in mein Zimmer, wo ich erst mal auf mein Handy schaute. Oh Gott 25 Anrufe in Abwesenheit und alles von Hendrik. Eine SMS war auch dabei:

Was ist denn los? Willst du jetzt nix mehr von mir wissen oder was? Ich wollte mich bloß wegen heute entschuldigen. Melde dich mal!

Ich schaute, wann er mich das letzte Mal versucht hatte anzurufen. Oh! Um 24.47 Uhr. Ich wollte jetzt erst mal nur noch duschen. Als ich gerade auf dem Weg ins Badezimmer war klingelte mein Handy. Ich guckte auf das Display und sah Hendrik´ Nummer. Sollte ich rangehen?
"Ja!"
"Hey!"
"Hey. Was ist?"
"Sorry wegen GESTERN! Verzeihst du mir noch mal?"
"Hmm...mal überlegen...Mensch natürlich. Ich kapiere bloß nicht, was das ganze sollte!?"
"Ich war halt schlecht drauf."
"Das habe ich gemerkt, aber deshalb brauchst du das ja nicht an mir auszulassen!"
"Du hast ja recht."
"Und du hast mir nicht richtig tschüss gesagt."
"Sorry! Tut mir leid!"
"Das will ich ja auch man hoffen!"
"Wo warst du eigentlich die ganze Zeit?"
"Habe ich dir doch erzählt. Julie hat mich abgeholt und dann sind wir Essen und ins Kino gegangen."
"Stimmt ja! Was habt ihr denn geguckt?"
"Erkan und Stefan, Spider Man und Blade 2."
"Aber in Blade 2 darfst du doch noch gar nicht rein!"
"Ich weiß, aber Julie hat mich reingeschmuggelt."
"Aha! Sag mal, hast du die nächsten vier Tage schon was vor?"
"Nein. Warum?"
"Na, meine Eltern und Geschwister sind alle nicht da und da dachte ich mir so...!"
"Mal schauen."
"Was heißt denn hier mal schauen? Ja oder Nein?"
"Ja türlich. Was denkst denn du?"
"Okay, wann kommst du morgen?"
"Wann ist es dir denn recht?"
"Immer!"
"Tolle Antwort. Wie wäre es so gegen...ach weißt du was? Ich komme einfach irgendwann im laufe des Nachmittags okay?!"
"Ja okay. Also bis dann!"
Nicht schlecht. Vier Tage und drei Nächte mit Hendrik alleine, aber jetzt wollte ich erst mal duschen.

Als ich aufwachte war es schon 14.00 Uhr. Dann wurde die Tür langsam geöffnet und Julies Kopf schob sich langsam durch den Türschlitz.
"Na, ausgeschlafen?"
"Kann man so sagen. Sag mal, könntest du mich heu..."
Weiter kam ich nicht denn ein großer Strauß roter Rosen schob sich durch die Tür und dann eine Hand, die ich ziemlich gut kannte. Dann erschien langsam der Rest der Person. Es war Hendrik. Julie war schon wieder verschwunden.
"Guten Morgen Süße! Ich wollte mich noch mal für gestern entschuldigen."
"Das wäre doch nicht nötig gewesen."
"Ich finde schon das, das nötig ist! Wenn du dich fertig machst können wir ja los!"
"Wieso hast du es denn so eilig?"
"Warte die Zeit ab!"
Ich stieg aus meinem Bett und trottete ins Bad. Während ich wie immer nur in Tanga und BH aus dem Bad kam und mich in meinem Zimmer weiter anzog, guckte Hendrik in die Röhre. Ich packte meine Sachen und wir machten uns auf den Weg zu ihm nach Hause.
Dort angekommen sollte ich vor seinem Zimmer warten. Er hatte mir mit einem Tuch die Augen verbunden.
Dann holte er mich endlich ins Zimmer und nahm mir das Tuch ab. Ich traute meinen Augen nicht. Es war dunkel und ich konnte fast nichts sehen bis auf das riesige Herz aus Teelichtern und tausende von roten Rosen, die in seinem ganzen Zimmer verstreut waren. Ich viel ihm in die Arme und küsste ihn.
"Das ist wunderschön!"
"Wenn du meinst, aber die Hauptsache ist, dass es dir gefällt!"
"Aber wie komme ich denn zu der Ehre?"
"Ich fand es nötig und da wir ja jetzt schon ziemlich lange zusammen sind, wollte ich dir einfach noch mal zeigen, dass ich dich über alles liebe."
"Es reicht auch wenn du mir das sagst."
"Finde ich nicht."
"Okay, das ist deine Meinung!"
"Jaha! Das ist meine Meinung, aber wie gesagt, ich liebe dich über alles und das weißt du ja jetzt!"
"Das wusste ich auch vorher. Nur manchmal habe ich da schon so meine Zweifel!"
"Ich weiß was du damit sagen willst."
"Na dann ist ja gut!"
Plötzlich piepte mein Handy. Ich hatte eine SMS bekommen. Hendrik nahm mein Handy und las die SMS. Sein Gesicht verzog sich schlagartig.
"Kannst du mir das hier erklären?"
Er gab mir mein Handy und ich las:

Hey süße, alles klar bei dir? Wann hast du mal zeit für mich? Ich meine, nur für mich? Melde dich mal! Rene´

So ein verdammter Idiot!
"Den habe ich in Gehrden beim singen kennen gelernt und Carina hat ihm meine Handynummer gegeben und von da an schickt er mir andauernd SMS oder ruft mich an, aber ich antworte ihm nie."
"Aha und das soll ich dir glauben?"
"Ja sollst du, weil es die Wahrheit ist!"
"Kannst du mir das auch beweisen?"
"Ja kann ich!"
"Na dann lass dich nicht aufhalten!"
Ich nahm mir mein Handy und schrieb Rene´, dass er mich mal auf meinem Handy anrufen soll. Was er kurze Zeit später auch tat.
"Willst du rangehen oder soll ich?"
"Gib her!"
Hendrik nahm das Handy. Er zitterte und ging schließlich ran!
"Ja!"
"Hallo! Kann ich mal Janin sprechen?"
"Wer ist denn da?"
"Hier ist Rene´!"
"Bist du ihr Freund oder was?"
"Nein! Wir haben uns mal kennen gelernt, aber da ist nichts. Außerdem bin ich schon 19 und habe eine Freundin."
"Okay ich gebe sie dir!"
Er drückte mir das Handy in die Hand, aber ich ging nicht ran, sondern legte auf.
"Na, glaubst du mir jetzt?"
"Ja, Sorry."
"Eigentlich solltest du mir vertrauen!"
"Tu ich doch, aber wenn da ein Typ schon schreibt, dann dreh ich durch! Außerdem hättest du mir das auch erzählen können, den dann wäre ich bestimmt nicht so misstrauisch!"
"Hey er ist 19 und hat ne Freundin, außerdem würde ich nie Fremdgehen und das weißt du! Und das mit dem erzählen, gut ich hätte es dir erzählen können bzw. sollen, aber er war mir egal und ich hielt es nicht für so wichtig und wollte einfach keine Probleme mit dir, weil alles gerade wieder so gut läuft."
"Ja, trotzdem!"
"Nichts trotzdem, ich liebe nur dich oder glaubst du etwa ich wäre zu dir gekommen, wenn ich fremdgehen würde?"
"Ich glaube nicht! Ich meine, ich habe es ja auch nicht getan!"
"Siehst du, also alles wieder klar?"
"Ja, alles wieder klar, aber das nächste Mal erzählst du mir, wenn du jemanden kenne gelernt hast oder dich wer nervt okay?"
"Ja, okay!"
Endlich konnte er wieder grinsen, aber mir fiel es schwer, doch als er mich in den Arm nahm fühlte ich mich ein wenig besser. Jetzt sollte uns nichts mehr stören auch nicht irgendein Handy, also stellten wir beide aus.

Am nächsten Morgen, wenn man das noch so nennen kann, denn es war schon 12.07 Uhr, schliefen wir beide eng aneinander gekuschelt, als plötzlich jemand die Treppe hochkam. Hendrik schreckte hoch und ging auf den Flur um zu sehen wer das war.
"Was willst denn du hier? Ich denke du bist bei deiner Freundin."
"Ja, da fahre ich auch gleich wieder hin. Ich wollte bloß was holen."
"Na dann, kannst du ja wieder verschwinden."
"Wieso? Störe ich bei irgendwas?"
Prompt machte er Hendrik´ Zimmertür auf und sah mich in seinem Bett schlafen.
"Oho, hier scheint ja mächtig die Post abzugehen!"
"Ha, ha!"
"Wie is sie denn so im Bett?"
"Ach hau doch einfach ab und sag deiner Freundin von mir, sie soll es dir mal wieder ordentlich besorgen!"
"Du kleiner Mistkerl!"
Langsam wurde ich von dem Gestreite der beiden wach und als ich mich zwischen die beiden stellt um dem Ganzen ein Ende zu machen, handelte ich mir sogar ein blaues Auge ein. Eigentlich wollte Björn-Martin seinem Bruder eine verpassen, aber er traf mich und nun lag ich da.
"Du mieses Schwein!", schrie Hendrik.
"Das wollte ich nicht!"
"Das kannst du deinem Psychiater erzählen!"
"Ach leck mich doch!"
Mit diesem Worten verschwand er wieder.

Als ich wieder aufwachte, lag ich auf Hendrik´ Bett und hatte ein Eisbeutel auf meinem rechten Auge. Anfangs sah ich Hendrik noch ziemlich verschwommen, aber dann ging es wieder einigermaßen. Ich nahm den Eisbeutel weg und Hendrik verzog das Gesicht.
"Das sieht ziemlich übel aus. Dem Mistkerl wird ich's zeigen!"
"Lass ihn!"
"Wieso denn?"
"Es war nicht mit Absicht."
"Ob mit Absicht oder nicht, er hat es verdient!"
"Versprich mir, dass du ihn in Ruhe lässt okay?!"
"Wenn du meinst das ist das beste, dann bitteschön!"
"Versprich es mir!"
"Okay ich verspreche es dir! Brauchst du was? Soll ich dir was bringen?"
"Ne Cola und Nudeln wären nicht schlecht. Ich meine, wenn es nicht allzu viele Umstände macht!"
"Für dich würde ich alles tun."
"Ich komme drauf zurück!"
Dann ging er grinsend runter in die Küche.

#138 Geschichten » Unkraud » 06.02.2004 20:33

Silly
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Unkraud

Pater Sledge liess genau einen halben Finger breit Whisky in das Joghurtglas vor sich laufen, stellte die Flasche vor sich hin und drehte sie so, daß er das Label studieren konnte. Es war billig. Billig wie alles in dem Ein-Zimmer-Apartment, daß der alte Mann seine Wohnung nannte. Ein Tropfen war auf die Seiten des aufgeschlagenen Buches vor ihm gefallen. Widerwillig kramte er ein in fleckiges Taschentuch hervor und wischte ihn weg. Nachdem er es achtlos nur halb wieder eingesteckt hatte, stützte er seinen Kopf mit dem Arm, fuhr dabei durch sein schütteres graues Haar und setzte seine Lektüre fort.
4. Mose 15 Vers 28 "Und der Priester soll versöhnen solche Seele, die aus Versehen gesündigt hat, vor dem Herrn, daß er sie versöhne und ihr vergeben werde."
Sledge atmete hörbar aus und drehte sich halb zu dem Küchenschrank hinter ihm um, während er den Finger an der Textstelle liegen ließ. Die ungewohnte Bewegung verursachte einen ziehenden Schmerz in seiner Schulter - eine unaufgeforderte Erinnerung an sein Alter.
Er öffnete eine Schublade, nahm eine 38er Automatik heraus und legte sie neben die aufgeschlagene Bibel.
Sein Blick ging zum Fenster. Es war vollkommen Schwarz, aber der am unteren Fensterrand funkelte Schnee. Es war Zeit zu gehen. Sledge trank aus, steckte die Bibel in die linke und die Waffe in die rechte Tasche seines altmodischen schwarzen Anzugs und ging seinen Mantel anziehen.

Ein eisiger Wind schlug Sledge entgegen, als er ins Freie trat. Er zerzauste die Haare und trug feine Tröpfchen Meerwasser mit sich, die auf dem Gesicht prickelten und winzige Salzkristalle ablagerten. Der Ex-Priester sperrte die beiden Sicherheitschlösser der Werftbaracke sorgfältig ab. Dann stapfte er durch den frischen Schnee über die Holzbohlen, die von seinem Haus wegführten, zur Water Street hinauf. Zwangsläufig blickte er an der riesigen Klippe hoch, die sich im Hintergrund der Häuser vor ihm erhob. Die Brandung drängte bei dem Wind besonders laut heran und kam von dort als Echo zurück. Der Umriss der schwarzen Felsmasse wurde oben vom Wintersternenhimmel begrenzt.

Er senkte seinen Blick wieder auf die Straße, dichtete mit einer Hand seinen Mantelkragen ab, und wandte sich nach links. Water Street war die einzige Straße an der Harbourside von Kingsport, die über eine Beleuchtung verfügte. Enge Gassen zweigten von ihr ab und führten durch das Gewirr der auf engem Raum förmlich aufeinander gestapelten Häuser hinauf zum Fuß der Klippe. Kein Mensch befand sich zu dieser Zeit auf der Straße, die an Lagerhäusern und den seit langen aufgegebenen Werften der Pickerings, Halls und Cabots vorbei führte. Er kam an eine eiserne Brücke. Am anderen Ufer der breiten Mündung des Blake Creek, der durch ganz Kingsport floss und hier ins Meer mündete, erhob sich der Central Hill. Dort mußte er hin.

Das alte Kopfsteinpflaster der steilen Gasse war rutschig und der alte Mann musste langsam gehen. Obwohl viel höher gelegen, war es hier weniger kalt als drunten am Meer. Central Hill war früher eines der besseren Viertel von Kingsport gewesen, aber die meisten der alten Villen waren inzwischen heruntergekommen. Diejenigen, die es sich leisten konnten, wohnten jetzt drunten im Süden. Sledge erinnerte sich an die alten Geschichten um die Congregational Church auf der Spitze, wo der Kult seinen Anfang genommen hatte. Seit über 250 Jahren war offiziell Ruhe, aber das bedeutete nicht, daß er vollständig tot war. Noch immer zog das geheime Wissen um außerirdische Götter die Menschen an, noch immer kursierten verbotene Bücher aus jener Zeit als inzwischen unbezahlbare Sammlerstücke unter Bibliophilen und Intellektuellen. Wenn er im Amt geblieben wäre, hätte er auch hier oben wohnen können, statt in einer baufälligen Baracke am Meer. Aber der Preis war ihm zu hoch. Nein, er wollte und er konnte nicht bei den Machenschaften mitmachen, die inzwischen die gesamte Geistlichkeit in Kingsport und Umgebung erfasst hatten. Das waren keine Geistlichen mehr sondern Kultisten, Anhänger von finsteren Göttern, die vor Jahrmillionen auf die Erde gekommen waren. Und die Kultisten waren überall. Ja, das Haus des Kultisten... Einstöckig und kantig, im Georgianischen Stil des 18. Jahrhundert erbaut, ragte es als schwarzer Schatten hinter einem hohen Zaun aus spitzen Eisenstäben hervor. Auf dem flachwinklingen Dach glitzerte Schnee. Sledge trat an das doppelflügelige Eingangstor heran und blickte durch die rostigen, handbreit auseinander stehenden Stäbe hinüber. Der Schnee der Einfahrt war unberührt. Kein Licht brannte, aber er ging davon aus, daß trotzdem jemand Zuhause war.

Das kastenförmige Torschloß war altmodisch. Sledge fühlte mit blanken Fingern darüber - das eiskalte Metall betäubte seinen Tastsinn. Er öffnete seinen Mantel und entnahm der Innentasche eine kleine Flasche, die er vorsichtig aufschraubte. Dann ließ er den Inhalt langsam in das Innere des Schlosses laufen. Er mußte einige Sekunden warten, bis es wirkte. Ein feiner Nebel, schwerer als Luft, kam schliesslich aus den Ritzen heraus. Ein Ruck, und das Tor war offen. Sledge schlüpfte hindurch und zog es hinter sich zu; das Schloß war zu nichts mehr nütze. Dann schlich er zur Haustüre. Der Schnee machte knirschende Geräusche unter seinen Schuhen, mit deren Lautstärke er nicht gerechnet hatte, aber er war sich sicher, nicht gehört zu werden. Im Schatten des Porticos, einem klassizistischen Säulenportal mit einer Rosette im Giebel, fühlte er sich wieder sicherer.
Vor der imposanten Haustüre, die sich getrost Portal nennen durfte, kniete er sich hin Aus der gleichen Tasche, in der er das Fläschchen transportiert hatte, holte er einen Snake-Pick hervor. Das typische Zylinderschloss stellte kein großes Hindernis mehr für ihn dar. Nur bei der Kälte war es nicht ganz so einfach, das Schloß zu überlisten; sein Fingerspitzengefühl liess schnell nach und die Knie begannen auf dem harten Boden zu schmerzen. Aber er schaffte es trotzdem; nach ein paar Minuten sagte ihm ein leises Klicken, daß der Zylinder gedreht werden konnte. Die Türe schwang lautlos nach innen.

Mühevoll richtete er sich wieder auf. Vor im lag die Eingangshalle. Durch die Rosette über der Eingangstüre fiel genug Licht, daß er sich orientieren konnte und der geflieste Boden glänzte wie ein Spiegel. Am gegenüberliegenden Ende führte eine breite Treppe hinauf zu einer Galerie. Sledge war vor langer Zeit ein paar Mal hiergewesen und kannte sich zumindest in groben Zügen aus. Oben waren die Schlafzimmer. Zuerst würde er den unangenehmsten Teil seiner Mission erfüllen.

Das Blut des Kultisten besudelte das gesamte Bett. Er war im Schlaf gestorben. "Die Sünde gibt den Tod zum Lohn." Sledge war nicht so sentimental, daß er seinen Feinden eine Chance gab oder noch mit ihnen redete. Früher war er auch wie er Priester gewesen, sie waren im gleiche Alter, hatten sich gekannt, aber er hatte sich für die andere Seite entschieden. Aber er empfand weder Hass noch Sympathie. Ein schlechter Witz kam ihm in den Sinn, daß das Zölibat auch seine Vorteile hatte: seine Gegner lebten fast alle alleine und hinterließen niemanden. Das machte die Sache leichter.

"Woher das Unkraut? Das hat der Feind gebaut. Jener alte böse Feind, dessen satanisches Wesen wir nicht begreifen aber ebensowenig weg leugnen können; in dessen finsteres Schreckensreich wir nicht hinunterzublicken vermögen, aber dessen schauerliche Fußstapfen wir auf Erden zu schauen vermögen; dessen Werke zu zerstören der Sohn Gottes in die Welt gekommen ist, aber der auch mit gebrochener Macht und mit ohnmächtiger Wut noch sein Wesen treibt in Gottes Reich - der hat das Unkraut gesäet auf dem Acker des Herrn." Aber er, Sledge, war hergekommen, um es auszureißen.

Sledge hatte den offenen Kamin der Privatbibliothek angeschürt. Jedesmal, wenn er ein paar Blätter aus den Büchern herausriß und in das Feuer warf, loderten die Flammen hungrig auf. Ihr Schein flackerte über die Bücherregale. Die Bibliothek war nicht sehr groß. Es war immer das gleiche. Am Anfang stand reine Neugierde. Der Mythos war nur ein literarischer Zeitvertreib, den man anfangs nicht ernst nahm. Aber etwas lauerte hinter der Fassade. Etwas, das jeden, der sich zu lange damit beschäftigte, in seinen Sog zog. Am Ende kamen immer Kultisten heraus.

Er hatte nicht genug Zeit gehabt, die Bibliothek vollständig zu untersuchen, ganz zu Schweigen von dem restlichen Haus. Und ausserdem war er auch viel zu erschöpft. Das letzte Blatt des Königs in Gelb verschmolz langsam mit dem Aschehaufen. Hier und dort glimmte er noch auf, fraßen sich Feuerwürmer durch die Papierreste. Sledges Blick fiel auf die porzellanene Uhr auf dem Kaminsims; es war kurz vor 4 Uhr morgens. Besser, er machte sich auf den Rückweg. Das Feuer war nicht so warm gewesen, als daß er seinen Mantel ausgezogen hätte. Er klopfte dagegen - die Automatik und die Bibel waren an ihrem Ort. Ohne sich weiter umzusehen ging er zurück durch die Eingangshalle und zur Haustüre hinaus. Draußen war es noch Nacht, aber es würde bestimmt schon dämmern, wenn er Zuhause ankam.

Der ehemalige Priester wählte einen anderen Rückweg, als den, welchen er gekommen war. Er führte an dem acht Fuß hohen Eisenzaun des Central Hill Cemetery vorbei, dem alten Friedhof aus der Gründerzeit der Stadt. Sledge wusste genug, um sich von dem Grund, auf dem Weiden über bröckelnden uralten Grabsteinen trauerten, fernzuhalten. Die Kälte kroch in jeden seiner alten Knochen und er wußte, daß er eigentlich zu alt für solche nächtlichen Unternehmungen war. Aber die Mission, die er erfüllte, erforderte Härte gegen sich selbst und zugleich stellte sie eine Art Buße dar, die er sich selbst auferlegte.
Er ging die High Street hinab und bog dann in die Summit Street ein, die zurück über den Fluß führte. Jetzt brauchte er nur noch am Wasser entlang zu gehen. Der Blake Creek, zu dem eine steinige Böschung hinabführte, war hier noch nicht so breit wie an seiner Mündung und floß wie ein schwarzes glattes Band neben ihm her. Noch immer war er niemandem begegnet und hoffte auch, daß dies so bleiben würde. Eine der Straßenlaternen, die in Abständen Lichtflecken auf den Gehsteig warfen und an der er vorbeikam, war defekt. Sicher das Werk der Kultisten um ihm den Weg zu erschweren. Sledge konnte über diese albernen Versuche, ihn zu behindern, nur den Kopf schütteln. Es dämmerte tatsächlich, als er seine Behausung erreichte.

Sledge wachte auf. Er war bei seiner Heimkehr so erschöpft gewesen, daß er sich in voller Kleidung auf sein Bett gelegt hatte. Ein graues Licht schien von draußen in seine Wohnung und ihn fror. Er war nicht von selbst aufgewacht. Männer waren draußen, klopften an seine Tür, forderten sofortigen Einlaß. Sledge war nicht überrrascht. Im Grunde hatte er immer gewußt, daß die Kultisten ihn irgendwann aufspüren würden. Er griff in seine Manteltasche und zog die Pistole hervor. Sie war noch geladen.
Ja, die Kultisten waren überall. Aber Sledge beachtete die Männer nicht länger. Einen Moment flackerte der Gedanke an ein letztes Gefecht in ihm auf, aber er verwarf ihn sofort wieder.
"Ich gehe hinweg
Ihr werdet mich suchen und nicht finden
Und in eueren Sünden sterben"
Es war relativ einfach, die Waffe an die Schläfe zu halten und abzudrücken.

#139 Geschichten » New York Bridge » 06.02.2004 20:27

Silly
Antworten: 15

New york bridge


Nun war es endgültig, er würde mich verlassen und das für immer. Ich ging noch abends durch die Straßen und hörte Sirenengeheule aber ich achtete nicht weiter auf sie. In meinem Kopf spukten noch die Minuten unserer letzten Begegnung herum. Er hatte extra seine Gitarre mitgebracht und mir ein eigens komponiertes Lied vorgespielt. Vielleicht hätte er es nicht gemacht, wenn er gewusst hätte, wie weh es mir getan hat. An drei ganz bestimmte Worte kann ich mich noch erinnern: Goodbye my love.. Wir hatten uns erst am späten Abend getroffen, ich wollte noch ein paar wenige und kostbare Stunden mit ihm verbringen, bevor es mein Herz endgültig zerreißen würde. Der Wind weht in mein Gesicht und lässt alles noch kälter erscheinen. Schnell renne ich zu einer Parkbank und setzte mich auf sie. Über mir leuchten die Sterne und mir laufen Tränen über mein Gesicht. Leise flüstere ich Come back my love und er hört es nicht, er will und kann es nicht mehr hören. nie mehr. Ich weine hemmungslos und denke wieder an unsere letzte Begegnung. Er hatte sich extra seine schönsten Sachen angezogen und Parfüm aufgelegt. Als wir uns an der Türschwelle gegenüberstanden, hatte er mich an sich gezogen und geküsst. Ich umarmte ihn darauf und flüsterte ihm ins Ohr, dass ich ohne ihn nicht leben könne und er schaute auf den Boden und ging ins Wohnzimmer. Der Raum wurde nur von Kerzen erhellt und man hörte leise und ruhige Musik im Hintergrund. Auf dem Boden lagen Bilder, Bilder von uns. Er legte seine Gitarre zur Seite und setzte sich nieder. Langsam hob er ein paar Fotos auf und lächelte. Ich setzte mich neben ihn und starrte ihn unentwegt an, er reichte mir daraufhin ein Bild und ich schaute ihn nur vorwurfungsvoll an. Das Bild unseres ersten Zusammentreffens, festgehalten durch einen Fremden und doch in meine Hände gelangt. Wir hatten beide dieses Bild und ich wusste, dass er es in diesen Minuten in seiner Hosentasche trug. Dann war er wieder aufgestanden und hatte mich mit zu sich hochgezogen. Ich schlang meine Arme um seinen Hals und schmiegte mein Gesicht dicht an seines. Wir tanzten im leisen Takt der Musik und ich unterdrückte meine Tränen. Er sagte zu mir, dass er mich liebte und sah mich dabei an, wie noch nie zuvor. Dieser Blick trug Schmerz und Trauer in sich und doch Hoffnung. Ich nahm seine Hand und zog ihn in mein Schlafzimmer. Dort lief dieselbe Musik und es standen nur Kerzen um uns herum. Er schloss die Tür und küsste mich. Zärtlich liebkoste er meine Lippen und strich behutsam über meinen Rücken. Ich trat einen Schritt zurück und zog mein Shirt und meine Hose aus, dann ließ er auch noch meine letzten Hüllen fallen. Meine Hände taten den Rest. Sie zogen ihm seinen Pullover über den Kopf und sein Shirt. Dann ließen sie seine Hose und seine Shorts auf dem Boden fallen. Wir waren uns so nah. Er nahm meine Hand und wir legten uns beide in mein Bett. Vorsichtig hob er die Decke an und unsere Körper verschwanden unter ihr. Ich schmiegte mich an ihn und wir beide küssten uns einfach nur. Meine Finger strichen sanft über die Konturen seines Gesichtes, über seine Augenlider, seine Nase und seine geschwungenen und vollen Lippen. Sie fanden ihren Weg seinen Hals entlang und als ich ihm liebevoll durch die Haare strich, beugte er sich über mich und hob leicht mein linkes Bein an, dann schaute er mir wieder in die Augen. Und während er sich dem Takt der Musik anpasste, bemerkte ich, dass er es anders machte. Ich hatte es noch nie so zärtlich, behutsam, liebevoll und intensiv erlebt, wie in diesem Moment. Nach diesem innigen Zusammentreffen, saßen wir uns auf dem Bett gegenüber und ihm liefen Tränen über die Wangen. Ich berührte sie und hielt sein Gesicht zwischen meinen Händen. Daraufhin liebten wir uns noch einmal. das letzte Mal. Nach einer halben Ewigkeit ließen wir voneinander ab und er holte seine Gitarre. Er hatte sich wieder seine Shorts und seine Hose angezogen und saß nun auf der Kante meines Bettes. Ich hatte mich an die Wand gelehnt und saß dicht neben ihm. Er fing an die ersten Takte zu spielen und ich umarmte ihn dabei von hinten. Leise sang er unser Abschiedslied.Goodbye my love. Wir verabschiedeten uns mit einem langen und intensiven Kuss, mit einem tiefen Blick in die Augen und der Gewissheit, dass es nun zu Ende war. Nun sitze ich hier auf dieser Bank und denke, dass ich ihm folgen muss. Schnell renne ich los und kurz bevor er bereit ist, stehe ich neben ihm auf der Brücke. Er sieht mich dankbar an und wir küssen uns das wirklich allerletzte Mal, wir schwören uns für immer zu lieben und dann. dann springen wir gemeinsam die Brücke hinab in den Tod.

#140 Geschichten » Lest Bitte Mal » 06.02.2004 20:24

Silly
Antworten: 1

Es ist mir längst klar
das Dich nichts mehr hält
das wir ist vorbei
nur noch der Zeitpunkt fehlt
ich rede zuviel, lache zu schrill
höre nicht zu, weiss nicht was ich will

Doch ich will Dich berühr'n,
Dich ganz nah bei mir spühr'n
und Du liegst dicht bei mir
bist nicht da
ich bin süchtig nach Dir
doch ich hab's - nie gewollt

Was soll ich noch tun
hab alles versucht
ich lache nicht mehr, bin nur noch da
will hör'n wie's Dir geht
die Antwort klingt falsch
was willst Du von mir, sieh' mich an

Denn ich will Dich berühr'n
Dich ganz nah bei mir spür'n
und Du liegst dicht bei mir
bist nicht da
ich bin süchtig nach Dir
doch ich hab's - nie gewollt

Und ich will Dich berühr'n....

#141 Re: Geschichten » Lest Mal » 06.02.2004 20:20

danke is net von mir aber mir hat er gefallen weil ich das alles schon erlebt hab laugh

#142 Geschichten » Lest Mal » 06.02.2004 20:16

Silly
Antworten: 5

Es ist mir längst klar
das Dich nichts mehr hält
das wir ist vorbei
nur noch der Zeitpunkt fehlt
ich rede zuviel, lache zu schrill
höre nicht zu, weiss nicht was ich will

Doch ich will Dich berühr'n,
Dich ganz nah bei mir spühr'n
und Du liegst dicht bei mir
bist nicht da
ich bin süchtig nach Dir
doch ich hab's - nie gewollt

Was soll ich noch tun
hab alles versucht
ich lache nicht mehr, bin nur noch da
will hör'n wie's Dir geht
die Antwort klingt falsch
was willst Du von mir, sieh' mich an

Denn ich will Dich berühr'n
Dich ganz nah bei mir spür'n
und Du liegst dicht bei mir
bist nicht da
ich bin süchtig nach Dir
doch ich hab's - nie gewollt

Und ich will Dich berühr'n....

#144 Re: Fun-Ecke » Lustiges Video » 06.02.2004 19:17

deFire,6.02.2004 15:01 schrieb:

wirklich nicht schlecht, aber genauso wie der typ komme ich mir auch vor. vielleicht sollte ich mal weniger spielen und lieber mehr zeit in der realen welt verbringen........ ach ne lieber doch nicht, da drausen ist es viel zu gefährlich biggrin

in der virtuellen auch aber nicht für dich laugh

#145 Off-Topic / Allgemeines » Hab Mal Ne Frage » 06.02.2004 19:13

Silly
Antworten: 6

wo ist die ctrl taste auf nem laptop ich brauch die nemlich für sticksoldiers2

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